Autor Thema: Kurzer Kommentar zu UdS  (Gelesen 12518 mal)

barbarossa rotbart

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Kurzer Kommentar zu UdS
« am: 18. September 2012, 12:44:03 »
Ich habe heute endlich UdS erhalten. Eigentlich ein gutes Buch, aber leider sind die vielen kleinen Retcons störend, wenn man beide Vorgängerfassungen (S/X und HC) kennt. Man hat nicht die Situation wie zu DSA1/2-Zeiten, wo man die Beschreibung aus dem Abenteuer-Ausbauspiel doch recht schnell durch etwas realistischeres ersetzt hat. Die Romanisierung Myranors ist ein Fehler. Man hat wohl vergessen, dass Alt-Güldenländisch/Aureliani früher mit Alt-Griechisch geleichgesetzt wurde und nicht mit Latein, was für Alt-Aventurisch/Bosparano verwendet wurde. Daher waren die (pseudo-)griechischen Bezeichnungen passender.
Aber die neue Myranor-Redax hat sich so entschieden...
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GSandSDS

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Re: Kurzer Kommentar zu UdS
« Antwort #1 am: 18. September 2012, 14:57:35 »
Vergiss nicht, dass auch in Myranor inzwischen seit der Zeit des Alt-Güldenländischen ein paar tausend Jahre vergangen sind. Zumal diese Vergleichssetzung (Garethi ist deutsch, Bosparano ist Latain, Alt-Güldenländisch ist Alt-Griechisch usw.) eigentlich schon lange nicht mehr existiert. Man nimmt für Bosparano zwar öfters noch Latein, doch das hat reine Klischeé- und Atmo-Gründe. Nebenbei, erkläre mal einem Spieler der englischen Version The Dark Eye, dass sie in Aventurien eigentlich German sprechen. ;)
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barbarossa rotbart

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Re: Kurzer Kommentar zu UdS
« Antwort #2 am: 18. September 2012, 15:12:41 »
Ja, und genaus deshalb ist es blödsinn etablierte bezeichnungen zu ändern, weil man jetzt plötzlich der Meinung ist, Latein auch für andere Sprachen zu verwenden. Aus Atmosphäre-Gründen sollte man dies strickt trennen und nicht eine Sprache gleich für mindestens zwei entfernt verwandte Sprachen verwenden. hier war man wohl der Meinung, dass zum einen ein Römisches Reich-Setting nicht genug war (was eigentlich nicht so schlimm ist) und zum anderen das zu einem solches Setting auch immer Latein und die gängigen lateinischen Ausdrücke gehören.
Sorry, aber so geht viel Atmosphäre verloren, denn gerade ungewöhnliche Ausdrücke schaffen mehr Atmosphäre als bekannte Ausdrücke und die lateinischen Ausdrücke sind leider zu bekannt.
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GSandSDS

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Re: Kurzer Kommentar zu UdS
« Antwort #3 am: 18. September 2012, 15:19:25 »
Allerdings beißt sich Alt-Griechisch einfach mit der Idee eines Imperiums an sich. Das antike Griechenland war ein Griechenland der Stadtstaaten. Allein die Idee eines alt-griechischen Großimperiums ist irgendwie widersinnig. Auch aus spielerischer Sicht ist Alt-Griechisch problematisch. Sich im Spiel notfalls etwas Pseudo-Latein aus der Nase zu ziehen ist einfach. Irgendwie -us oder -um oder -a oder -ei anhängen, und jeder weiß was gemeint ist. Beim Griechischen wird es schon schwieriger. Vielleicht -es und -os? Das wird eher mit Neugriechisch und Griechenlandurlaub in Verbindung gebracht.
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barbarossa rotbart

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Re: Kurzer Kommentar zu UdS
« Antwort #4 am: 18. September 2012, 15:39:47 »
Griechisch war aber auch die Sprache des Ostteiles des Römischen Reiches, des Reiches Alexanders des Großen und der meisten Diadochenreiche.
Alt-Griechisch war zu dieser immernoch die Literatursprache, während Koine die Volkssprache war. Dieses Schema finden wir überigens auch in Myranor wieder, nämlich als Hiero-Imperial und Gemein-Imperial.
Was man nicht verändert hat, sind die Namen, die ebenfalls mehr griechisch als römisch sind.
Es klingt irgendwie exotischer, wenn die Helden es mit einem Hektagu als mit einem Zenturio. Außerdem wird letzeres in der DZ-Kampagne als Bosparano-Wort verwendet.
Und abschließend sei gesagt, dass das Myranische Imperium mich viel stärker an die östliche Reichshälfte (des Römischen Reiches) erinnert, während das Bosparanische Reich mich eher an die westliche Reichshälfte erinnert.
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Waldviech

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Re: Kurzer Kommentar zu UdS
« Antwort #5 am: 18. September 2012, 15:46:26 »
Zitat
Allein die Idee eines alt-griechischen Großimperiums ist irgendwie widersinnig
Ich glaube, Alexander der Große sah das anders.  ;D Aber mal im Ernst, ich glaube nicht dass es sonderlich zielführend ist, bei Myranor stark "historisierend" heranzugehen. Das Teil hat ein paar antike Versatzstücke. Und außerdem magische Eisenbahnen, mechanische Libellen, Katzenmenschen und Überreste einer dreiäugigen Herrenrasse. Myranor ist IMHO an der realen Antike genau so nahe dran oder entfernt davon wie es vom Planeten Mongo oder Hawkmoons "Tragic Europe" ist.

barbarossa rotbart

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Re: Kurzer Kommentar zu UdS
« Antwort #6 am: 18. September 2012, 15:59:03 »
Das mag sein, aber gerade deshalb hätte man auf solche historisierenden Elemente wie die lateinischen Bezeichnungen und typisch römischen Gebäudetypen verzichten müssen.
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Waldviech

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Re: Kurzer Kommentar zu UdS
« Antwort #7 am: 18. September 2012, 16:06:39 »
Man hätte sie zumindest eindämmen können, das ist richtig. Das "Maraskan-Debakel" sehe ich bei Myranor aber zum Glück nicht - Bei Maraskan war ja das "Problem", dass Illustrationen eine Fernost-Erwartung geweckt hatten, die letztlich nicht erfüllt wurde. Im Falle Myranors ist die graphische Aufmachung hinreichend "außerirdisch" und man stößt erst bei genauerer Lektüre auf die römischen Begriffe. Das macht die Sache etas anders - es ist von Vornherein klar, dass das myranische Reich keine reine Fantasyversion des römischen Reiches ist.

barbarossa rotbart

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Re: Kurzer Kommentar zu UdS
« Antwort #8 am: 18. September 2012, 16:17:19 »
Aber viele der lateinischen Begriffe wurden erst durch die neue Redax eingeführt. In den ersten beiden Myranor-Versionen gab es die noch nicht.
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Re: Kurzer Kommentar zu UdS
« Antwort #9 am: 19. September 2012, 02:09:26 »
Du meinst die neue Redaktion (Jörg Raddatz und Heike Kamaris), die auch schon seit der ersten Box Myranor schreiben, von denen "Palast der Goldenen Tiger" ist (M1!) und die seit 2006 die Gesamtredaktion haben ?

Mythos

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Re: Kurzer Kommentar zu UdS
« Antwort #10 am: 19. September 2012, 08:41:21 »
Allerdings beißt sich Alt-Griechisch einfach mit der Idee eines Imperiums an sich. Das antike Griechenland war ein Griechenland der Stadtstaaten. Allein die Idee eines alt-griechischen Großimperiums ist irgendwie widersinnig.
Aber genau das fand ich mit so klasse am alten Myranor. Jetzt hat das Imperium zu viel Rom. Und Rom - so interessant das Reich auch war - bekommt man schon zu Genüge. Selbst in DSA gibt es schon die Dunkle Zeiten Box mit dem Bosparanischen Reich.

Naja, für zukünftige Regionalbände oder Abenteuer wäre es schön, wenn spezielle Horasiate wie Cantera (wo es, glaube ich, in UdS sogar schon angedeutet wird) oder Harpalis (Tradition) noch stark zu Alt-Imperial und Alt-Imperialen Begriffen tendieren würden. Das würde mir gefallen. Es müsste nur durch die Nennung dieser Begriffe unterstützt werden.

Tabuin

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Eldoryen Gammensliff

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Re: Kurzer Kommentar zu UdS
« Antwort #12 am: 20. September 2012, 13:15:44 »
Aber kann man nicht auch sagen, dass jetzt plausibler ist warum sich in Aventurien Bosparano entwickelt hat? Es wurden immer die Unterschiede betont aber die Gemeinsamkeiten einer 200 Jahre langen identischen Geschichte nicht. Alles was nach 2797 IZ im Horasiat Yaquirio "angelegt" war ist genauso die "Ausgangsposition" für eine isolierte imperiale Geschichte und umgekehrt. Aus der Perspektive der science fiction ist es interessant zu kucken wie sich zwei isolierte Habitate aus der identischen Ausgangslage entwickelt haben.

Gruß,

Eldoryen

barbarossa rotbart

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Re: Kurzer Kommentar zu UdS
« Antwort #13 am: 20. September 2012, 13:32:49 »
Dazu muss man sagen, dass die ersten güldenländischen Siedler nichts mit dem Imperium zu tun haben wollten. Und nach der Errichtung des Efferdwalles und des Sturzes des Hauses Charybalis hat man die Jahre als Imperiales Horasiat sehr schnell aus der Geschichte getilgt. Daher ist des nur verständlich, dass sich die bosparanische Gesellschaft in eine ganz andere Richtung entwickelt hat als die imperiale.
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Eldoryen Gammensliff

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Re: Kurzer Kommentar zu UdS
« Antwort #14 am: 20. September 2012, 14:17:28 »
Dazu muss man sagen, dass die ersten güldenländischen Siedler nichts mit dem Imperium zu tun haben wollten. Und nach der Errichtung des Efferdwalles und des Sturzes des Hauses Charybalis hat man die Jahre als Imperiales Horasiat sehr schnell aus der Geschichte getilgt. Daher ist des nur verständlich, dass sich die bosparanische Gesellschaft in eine ganz andere Richtung entwickelt hat als die imperiale.

Verständlicherweise. Es war Fremdherrschaft. Deine Aussagen widersprechen aber den Fakten. Man hat zwar mit der "offiziellen Geschichte" gebrochen (damnatio memoriae war nicht nur für unliebsame Hranthes ein probates Mittel) aber die grundsätzliche Ordnung beibehalten! Es gab weiterhin eine/n Horas, es gab weiterhin Trodinare (bis in die DZ) es gab die "quasi-myranische Armee", Aureliani als Hauptsprache und Kulturträger, etc. Genau genommen kann man eher von einer imperialen Sukzession sprechen als von einem Traditionsbruch - der kam erst mit den Dunklen Zeiten.

Gruß,

Eldoryen