Autor Thema: Myranor de-romanisieren!  (Gelesen 9049 mal)

barbarossa rotbart

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Re: Myranor de-romanisieren!
« Antwort #30 am: 10. Februar 2014, 17:37:04 »
Die verschiedenen Begriffe sind eben Lokalkolorit, vgl. Tomate und Paradeiser.
Nein, ist es nicht! Gerade bei den Begriffen, um die es geht, kann es kein Lokalkolorit sein.
Welche Hintergrundkonzepte wurden denn verändert? Bisher wurden doch nur Konzepte hinzugefügt, soweit ich das überblickt habe.
Die beiden prominestensten Beispiele:
1. Militär: Dies wurde total umgebaut und an das römische System angepasst.
2. Imperiale Verwaltung: Auch hier wurde viel umgebaut.
Jeder hat das Recht auf meine Meinung.

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Finarfin

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Re: Myranor de-romanisieren!
« Antwort #31 am: 10. Februar 2014, 22:29:36 »
Nein, ist es nicht! Gerade bei den Begriffen, um die es geht, kann es kein Lokalkolorit sein.
Das dachte ich bei Tomaten auch. Sind aber am Ende nur Vokabeln, die nichts an den handlungsabläufen ändern.

Zitat
Die beiden prominestensten Beispiele:
1. Militär: Dies wurde total umgebaut und an das römische System angepasst.
ABgesehen vom Vokabular: Was wurde verändert, was nicht ebenso gut eine Ergänzung oder Erweiterung sein kann? Denn für einen totalen Umbau müssten ja schon Strukturen abgeschafft und durch neue ersetzt werden, und dies in erheblichen Umfang.

Zitat
2. Imperiale Verwaltung: Auch hier wurde viel umgebaut.
Was denn? Bisher sehe ich da nur eine Konkretisierung der unteren Verwaltungsebenen, die vorher ja gar nicht beschrieben waren.
Uuh, ja, die Territorien, aber die widersprechen nicht den alten Setzungen, da sie ja nicht ausdrücklich ausgeschlossen wurden. Da wurde zuvor mit der rein optimatischen Regierung lediglich nur der Normalfall beschrieben, quasi das Ideal.

barbarossa rotbart

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Re: Myranor de-romanisieren!
« Antwort #32 am: 10. Februar 2014, 22:51:04 »
Vergleiche mal HC S.31ff. (insbesondere den Kasten auf S.33) mit UdS S.41ff. und auch HC S.20f. mit UdS S.38ff. & 44ff.
Wenn Dir da dir Unterschiede nicht auffallen ...
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Re: Myranor de-romanisieren!
« Antwort #33 am: 10. Februar 2014, 22:53:30 »
Mein UdS ist z.Z. verliehen.
Also schreib es.

Edit:

Nach dem Blick ins HC könnten sich ja eim Militär neben den Namen auch die Einheitsgrößen verschoben haben, was auch keine große Rolle spielt.
Bei Der Verwaltung wurde die Rolle des Magnaten anscheinend verändert. Das Grundlegende Konzept: Oben regieren Optimaten, die lästigen Details regeln die Honoraten und es gibt einen Stadtrat, sind erhalten geblieben. Insgesamt ist die Beschreibung im HC so oberflächlich, dass sie an Bedeutung für den Spieltisch eh nicht mit UdS mithalten kann.

Godag@st

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Re: Myranor de-romanisieren!
« Antwort #34 am: 02. April 2014, 00:27:07 »
Ein umstrittenes und aus meiner Sicht wichtiges Thema, deshalb will ich hier meine Meinung dazu abgeben:

Über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten. Manche mögen die zunehmende Romanisierung von Myranor, andere nicht. Ich kann das Hauptargument dafür (bessere Vertrautheit und Verständlichkeit des Settings) nachvollziehen. Aber ich muss mich leider unter den Stimmen einreihen, denen das nicht gefällt.

Ich fand Myranor, wie es sich im Hardcover von 2006 präsentierte, einfallsreicher, exotischer und spannender. Klar, einen starken römischen Einfluss gab es auch dort bereits. Aber er wurde durch fremdartige Namen verschleiert und war mit Anleihen aus anderen Settings vermischt: griechische Elemente, asiatische, Steampunk usw. Dieser Mix war, wie ich fand, gut gelangen, und es wurde auch eine gute Balance zwischen Vertrautem und Fremdartigem getroffen. Bei Unter dem Sternenpfeiler dagegen treten die anderen Elemente sehr in den Hintergrund und es dominiert völlig einseitig und erdrückend das römische Vorbild. Jetzt gibt es nicht nur Optimaten und Honoraten, sondern diverse andere eins zu eins von den Römern übernommene Begriffe: das Manipel, die Kohorte, die Legion, der Zenturio, der Tribun... Ich finde das ehrlich gesagt ziemlich uninspiriert und einfallslos.

Jetzt kann man natürlich sagen: "Sind doch nur Begriffe! Ist doch nur Semantik!" Aber ich finde, man sollte die Macht der Semantik nicht unterschätzen. Der Trick des HC, eigentlich bekannte Dinge mit exotischen Namen zu verschleiern und dadurch exotischer wirken zu lassen, hat durchaus gut funktioniert. Er hat, wie ich schon schrieb, eine Balance aus Vertrautem und Fremdartigem erzeugt. In UdS wurde die Balance dagegen so weit in Richtung des Vertrauten verschoben, dass das Setting nicht nur vertrauter, sondern fast schon altbacken wirkt.

Zitat von Tabuin aus einem anderen Thread:

Dafür haben die neu eingeführten Begriffe den großen Vorteil, dass die Anzahl der fragenden Gesichter bei Spielrunden deutlich weniger geworden sind. Nicht zuletzt durch historisierende Kinofilme und die Comics von Asterix sind viele der Begriffe bekannt und erleichtern das Spielen im myranisch militärischen Umfeld erheblich. Das konnten die früheren Begriffe schlichtweg nicht leisten. Da ging vermeintliche Exotik massiv auf Kosten der Verständlichkeit. Das wurde geändert.

Bösartig könnte man sagen: das Setting wurde absichtlich weniger anspruchsvoll gemacht ("dumbing down"), damit sich auch Spieler zurechtfinden, die nur Asterix und Gladiator kennen. Wie gesagt, ich kann das Argument nachvollziehen. Es erhöht sicher den Mainstream-Appeal der Spielwelt. Aber es geht halt leider einiges von der (nicht nur vermeintlichen) Exotik und Eigenständigkeit verloren, die Myranor vorher ausgezeichnet hatten.

So, genug gemeckert. Wie gesagt, das ist letztlich Geschmackssache, und das hier Geschriebene ist auch nur meine persönliche, ganz subjektive Meinung. Es gibt auch Vieles an UdS, das mir gut gefällt. Der Band ist schön geschrieben und aufgemacht, und es ist offensichtlich, dass viel Herzblut drinsteckt. Ich finde es halt nur schade, dass das römische Vorbild mittlerweile so erdrückend ist und die anderen Elemente dagegen so zurückgetreten sind. Ich würde mir wünschen, dass Myranor in Zukunft wieder bunter, eigenständiger und exotischer wird.
Godagast

Mardugh Orkhan

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Re: Myranor de-romanisieren!
« Antwort #35 am: 02. April 2014, 08:11:38 »

 Jetzt gibt es nicht nur Optimaten und Honoraten, sondern diverse andere eins zu eins von den Römern übernommene Begriffe: das Manipel, die Kohorte, die Legion, der Zenturio, der Tribun... Ich finde das ehrlich gesagt ziemlich uninspiriert und einfallslos.
...
Jetzt kann man natürlich sagen: "Sind doch nur Begriffe! Ist doch nur Semantik!"
Bösartig könnte man sagen: das Setting wurde absichtlich weniger anspruchsvoll gemacht ("dumbing down"), damit sich auch Spieler zurechtfinden, die nur Asterix und Gladiator kennen. Wie gesagt, ich kann das Argument nachvollziehen. Es erhöht sicher den Mainstream-Appeal der Spielwelt. Aber es geht halt leider einiges von der (nicht nur vermeintlichen) Exotik und Eigenständigkeit verloren, die Myranor vorher ausgezeichnet hatten.
... Ich würde mir wünschen, dass Myranor in Zukunft wieder bunter, eigenständiger und exotischer wird.

Danke, sehr schön formuliert!
Von wegen Semantik: Von den Verwaltungsstrukturen selbst mal abgesehen könnte man natürlich die lateinischen Anleihen als "Gemein-Imperial" und die griechischen als "Hiero-Imperial" definieren.

Tabuin

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Re: Myranor de-romanisieren!
« Antwort #36 am: 02. April 2014, 12:17:12 »
Ein großer Unterschied zwischen HC und UdS sollte man bei aller Kritik nicht vergessen: UdS bringt das Imperium zur Geltung, welches in weiten Teilen aus dem myranischen Norden besteht. Der HC thematisiert in weiten Teilen das südliche Imperium und die südlich anschließende Regionen. Ein fairer Vergleich kann also erst stattfinden, wenn man UdS+Südband mit HC vergleicht. Dann wird, da bin ich mir sicher, auch der "römische Anteil" deutlich geringer ins Gewicht fallen. Makshapuram und andere Regionen werden sicher nicht auf Sizilien+Katzen reduziert werden. Viele der exotischen Regionen des HCs sind in UdS schlicht nicht enthalten. Man wird also sehen müssen, was noch kommt.
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ChaoGirDja

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Re: Myranor de-romanisieren!
« Antwort #37 am: 11. April 2014, 16:08:56 »
Ein umstrittenes und aus meiner Sicht wichtiges Thema, deshalb will ich hier meine Meinung dazu abgeben:

Über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten. Manche mögen die zunehmende Romanisierung von Myranor, andere nicht. Ich kann das Hauptargument dafür (bessere Vertrautheit und Verständlichkeit des Settings) nachvollziehen. Aber ich muss mich leider unter den Stimmen einreihen, denen das nicht gefällt.

Ich fand Myranor, wie es sich im Hardcover von 2006 präsentierte, einfallsreicher, exotischer und spannender. Klar, einen starken römischen Einfluss gab es auch dort bereits. Aber er wurde durch fremdartige Namen verschleiert und war mit Anleihen aus anderen Settings vermischt: griechische Elemente, asiatische, Steampunk usw. Dieser Mix war, wie ich fand, gut gelangen, und es wurde auch eine gute Balance zwischen Vertrautem und Fremdartigem getroffen. Bei Unter dem Sternenpfeiler dagegen treten die anderen Elemente sehr in den Hintergrund und es dominiert völlig einseitig und erdrückend das römische Vorbild. Jetzt gibt es nicht nur Optimaten und Honoraten, sondern diverse andere eins zu eins von den Römern übernommene Begriffe: das Manipel, die Kohorte, die Legion, der Zenturio, der Tribun... Ich finde das ehrlich gesagt ziemlich uninspiriert und einfallslos.

Jetzt kann man natürlich sagen: "Sind doch nur Begriffe! Ist doch nur Semantik!" Aber ich finde, man sollte die Macht der Semantik nicht unterschätzen. Der Trick des HC, eigentlich bekannte Dinge mit exotischen Namen zu verschleiern und dadurch exotischer wirken zu lassen, hat durchaus gut funktioniert. Er hat, wie ich schon schrieb, eine Balance aus Vertrautem und Fremdartigem erzeugt. In UdS wurde die Balance dagegen so weit in Richtung des Vertrauten verschoben, dass das Setting nicht nur vertrauter, sondern fast schon altbacken wirkt.

Zitat von Tabuin aus einem anderen Thread:

Dafür haben die neu eingeführten Begriffe den großen Vorteil, dass die Anzahl der fragenden Gesichter bei Spielrunden deutlich weniger geworden sind. Nicht zuletzt durch historisierende Kinofilme und die Comics von Asterix sind viele der Begriffe bekannt und erleichtern das Spielen im myranisch militärischen Umfeld erheblich. Das konnten die früheren Begriffe schlichtweg nicht leisten. Da ging vermeintliche Exotik massiv auf Kosten der Verständlichkeit. Das wurde geändert.

Bösartig könnte man sagen: das Setting wurde absichtlich weniger anspruchsvoll gemacht ("dumbing down"), damit sich auch Spieler zurechtfinden, die nur Asterix und Gladiator kennen. Wie gesagt, ich kann das Argument nachvollziehen. Es erhöht sicher den Mainstream-Appeal der Spielwelt. Aber es geht halt leider einiges von der (nicht nur vermeintlichen) Exotik und Eigenständigkeit verloren, die Myranor vorher ausgezeichnet hatten.

So, genug gemeckert. Wie gesagt, das ist letztlich Geschmackssache, und das hier Geschriebene ist auch nur meine persönliche, ganz subjektive Meinung. Es gibt auch Vieles an UdS, das mir gut gefällt. Der Band ist schön geschrieben und aufgemacht, und es ist offensichtlich, dass viel Herzblut drinsteckt. Ich finde es halt nur schade, dass das römische Vorbild mittlerweile so erdrückend ist und die anderen Elemente dagegen so zurückgetreten sind. Ich würde mir wünschen, dass Myranor in Zukunft wieder bunter, eigenständiger und exotischer wird.
Schade das es keinen Danke-Bouton gibt :)
Sehr schön Formuliert, Danke :)

ChaoGirDja

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Re: Myranor de-romanisieren!
« Antwort #38 am: 11. April 2014, 16:13:10 »
Ein großer Unterschied zwischen HC und UdS sollte man bei aller Kritik nicht vergessen: UdS bringt das Imperium zur Geltung, welches in weiten Teilen aus dem myranischen Norden besteht. Der HC thematisiert in weiten Teilen das südliche Imperium und die südlich anschließende Regionen.
Und dennoch betreffen beide das Imperium und beide zentrale Bestandteile des Imperiums. Wie z.B. das Militär und den Politik-Apparat (wenn auch der in UdS deutlich ausgebaut wurde).
Diese Begrifflichkeiten* sind Regional nicht abweichend.... (sonst wären sie in UdS auch nicht zum größen Teil als "veraltet auch X gennant" in die Historie verbannt worden)
Und um diesen Teil vom HC geht es und ging es auch schon immer.
Das Maksapuram und co. ganz sicher exotischer werden als UdS ist keine Frage...


*Wenn es doch nur Begrifflichkeiten wären...
Den "Myramidonen(TM)" aus dem HC gibt es ja im UdS nicht mehr. Jetzt ist das nur noch der Überbegriff, das Äquivalent zum Begriff "Soldat". Im HC war es jedoch auch eine Truppengattung...