Autor Thema: Fragen zum Hintergrund von Coriolis  (Gelesen 320 mal)

Gumbald

  • Jr. Member
  • **
  • Beiträge: 79
    • Profil anzeigen
Fragen zum Hintergrund von Coriolis
« am: 04. Mai 2019, 23:11:52 »
Hallo!
Ich habe da mal ein paar Fragen zum Hintergrund vom Setting, die sich mir beim reinarbeiten gestellt haben. Einiges habe ich entweder überlesen oder ist einfach nicht geklärt. Da interessiert mich natürlich die Meinung von Coriolis-Spielern, wie sie das Setting verstehen und interpretieren:

Wie alt können Menschen im dritten Horizont werden?
Offenbar ist der Kapitän der Zenith, Aberren Quassar, immer noch am leben und steht an der Spitze der "Zenithischen Hegemonie". Da die Zenith vor 65 Jahren im dritten Horizont eintraf (-5 CZ Ankunft im Daran-System), dürfte er bereits 100 Jahre oder sogar noch wesentlich älter sein. Ist das eine Ausnahme oder eher die Regel (solange man nicht in einem primitivem Randsystem lebt..)

Die Zenither sind größtenteils im Kälteschlaf im dritten Horizont angekommen. Was wissen Sie über den ersten Horizont aus der Zeit ihres Aufbruchs vor 1000 Jahren?
Es werden nur einige Sätze über den Aufbruch der Zenith und der Nadir verloren. Haben die Menschen damals auch schon zu den Ikonen gebetet, oder ist dieser Glaube komplett neu für die Zenither?
Wusste man auch damals schon von der "Finsternis zwischen den Sternen" oder wurde sie erst Jahrhunderte später entdeckt?

Der Ikonenglaube und die Zenither
Irgendwo steht, dass Zenither dem Glauben eher abgeneigt sind, aber nur das "Institut" den Glauben öffentlich in Frage stellt.
Andererseits haben die Ikonen offensichtlichen Einfluss auf das Leben der Völker im dritten Horizont: Ein Raumschiff mit Priester und Kapelle an Bord übersteht statistisch gesehen Portalsprünge wesentlich besser. Das dürfte auch der Grund sein, warum sich nach 60 Jahren viele Zenither dem Ikonen-Glauben zugewandt haben: Vielleicht verstehen sie nicht wieso, aber sie wissen, dass es funktioniert. Die Ikonen werden eventuell nicht als Götter verehrt, sondern als eine undefinierbare Macht, die sich gegen eine andere (definitiv bösartige) Macht stellt: Die Finsternis zwischen den Sternen. Somit werden die Gebete eher als praxiserprobte "Mechanismen" und "Instrumente" genutzt, um diese schwer greifbaren Entitäten milde zu stimmen - was immer sie sein mögen.
Logischer Gedankengang, oder eher nicht?

Wenn ein Spieler einen Charakter mit zenithischem Hintergrund spielen will, der nicht an die Ikonen glaubt, wie könnte der "zu den Ikonen beten" Regel-Mechanismus plausibel umgesetzt werden?
* Man könnte natürlich sagen, der Charakter hofft darauf in einer Situation "Glück" zu haben - in dem Wissen, dass jede Glückssträhne auch mal reißt und ihm Pech widerfährt.
* Vielleicht hat der Charakter auch eine bestimmte Konzentrationstechnik entwickelt, mit der er glaubt "Eins mit dem Universum" zu sein.
* Die Aktion "zu den Ikonen beten" könnte auch völlig losgelöst vom Charakter betrachtet werden: Im Hintergrund findet ein ständiger Kampf zwischen den Ikonen mit der Finsternis zwischen den Sternen statt. Und der Spieler entscheidet, ob die aktuelle Situation so dramatisch und relevant ist, dass auf die Macht der Ikonen zurück gegriffen werden muss - was aber gleichzeitig die Finsternis stärkt. Etwas abstrakt könnte man hier auch einen Vergleich zur hellen und dunklen Seite der "Macht" von Star Wars ziehen, die auch im Gleichgewicht gehalten werden muss.
Gibt es noch andere Alternativen?

Wieso gibt es zwischen der Technologie der Erstsiedler und der Zenith so geringe Unterschiede?
1000 Jahre an paralleler Entwicklung (bzw. vermutlich weitgehend gar keiner Entwicklung auf der Zenith, da ein Großteil der Besatzung schlief) - und es gibt kaum Unterschiede? Wie ist das zu erklären?
Die "lange Nacht" und der große Krieg hat viele Systeme technologisch zurück geworfen. Aber das erklärt irgendwie nicht, wieso ein Schiff, das vor 1000 Jahren gebaut wurde, technologisch annähernd auf dem gleichen Level ist wie die Technik des dritten Horizonts.
Welche Argumente kann ich meiner Spielgruppe servieren, die diesen Umstand schlüssig begründen würden?

Deep_Impact

  • Full Member
  • ***
  • Beiträge: 109
  • Geschlecht: Männlich
  • Mögen die Ikonen euch segnen
    • Profil anzeigen
Re: Fragen zum Hintergrund von Coriolis
« Antwort #1 am: 06. Mai 2019, 08:16:23 »
Das sind viele sehr komnplexe Fragen, darum greife ich nur mal was raus, um meine Meinung zu sagen.

Generell ist der Hintergrund ein ziemlicher Schweizer Käse. Ob das so passiert ist oder Absicht ist, um der Gruppe Freiheiten zu geben, ihren eigenen Hintergrund zu etablieren kann ich nicht sagen. Solange die Spieler nicht mit Fragen aufkommen, würde ich dabei belassen und wenn, dass lass es dir von ihnen erklären und mach es Kanon.

1) Alter
Ein maximales Alter von 120-140 Jahren halte ich beim Stand der Technologie für einen wohlsituierten Zenithen für durchaus realistisch. Wenn man in den Wüsten von Algol oder als Minenarbeiten im äusseren Rand wirst man vermutlich nicht mal die Hälfte schaffen.

2) Beten als Nichtgläubiger
Du hast ja schon gut erklärt, dass der Effekt der Ikonen nachweisbar ist, wenigstens statistisch. Du kannst es also als eine Art unbestimmes Stoßgebet sehen. So wie viele Spieler ihre Würfel intensiver schütteln und ein "Jetzt aber!" murmeln, um das Glück zu beeinflußen. Das wirft natürlich das nächste Problem auf: Warum muss ich zu einer bestimmten Enthität beten, um einen bestimmten Effekt zu erhalten.
Alternativ wurde im Effekt-Podcast mal ein Atheisten-Talent vorgestellt.


Der Rest ist so offen, so ungeklärt oder so schwammig, dass ich dazu nur raten könnte, aber nichts belegen.

Gumbald

  • Jr. Member
  • **
  • Beiträge: 79
    • Profil anzeigen
Re: Fragen zum Hintergrund von Coriolis
« Antwort #2 am: 07. Mai 2019, 14:21:01 »
Danke für deine Antwort!
Das hilft mir schonmal insofern weiter, dass ich offensichtlich nichts wesentliches überlesen habe.

Bezüglich der Frage
Wieso gibt es zwischen der Technologie der Erstsiedler und der Zenith so geringe Unterschiede?
habe ich mir nun folgendes überlegt:

Während der ersten Kolonisierungswelle bestand ein Großteil der Erstsiedler aus unteren Schichten: Einfache Arbeiter, die sich im dritten Horizont ein neues und besseres Leben erhofften, da sie keine Perspektiven für sich im ersten Horizont sahen. Dementsprechend war die Zahl der Akademiker im dritten Horizont eher gering. Der Kampf um das nackte Überleben auf den neu besiedelten Planeten war hart, somit wurden die Ressourcen für Forschung & Entwicklung in erster Linie auf Bereiche fokussiert, welche die Lebensbedinungen der Kolonisten möglichst schnell und praxisnah verbesserten. Dies führte unter anderem durch Genmanipulation zur Erschaffung von diversen Humaniten-Arten.
Die technische Entwicklung im dritten Horizont verlief eventuell eher schleppender, weil eine sehr konservative Religion in Form der Verehrung der Ikonen schnell einen zentralen Lebensmittelpunkt einnahm. Organisationen wie der Orden des Paria sorgten für die Einhaltung einer Vielzahl von Regeln und erklärten diverse kulturelle oder technologische Fortschritte als Frevel gegenüber den Ikonen.
Ein großer Teil von technolgischer Entwicklung fand in den ersten Jahrhunderten über Importe aus den anderen beiden Horizonten statt, welche über de Portale erreichbar waren.
Im großen Portalkrieg wurde dann ein Großteil der fortschrittlichen Technologie vernichtet. Vieles von dem, was überlebte, kann nicht nachgebaut werden, weil das Wissen darum häufig aus dem ersten oder zweiten Horizont stammte.
Mit der Ankunft der Zenith verschiebt sich somit das Kräfteverhältnis abrupt.

Die Zenith, welche 500 Jahre zuvor als gewaltiges Generationenraumschiff aufbrach, war die Krone der technologischen Schöpfung. Ausgestattet mit dem Besten, was im ganzen heimischen Sonnensystem zu finden war. Der Start der Zenith und der Nadir waren ein Jahrhundert-Ereignis. Vor der Entdeckung der Portale war es die erste und einzige Möglichkeit, das heimische Sonnensystem zu verlassen und neue unbekannte Welten zu entdecken. Ein nicht unbedeutender Teil der Kolonisten bestand aus der Elite der menschlichen Gesellschaft, die sich in Kälteschlaf versetzen ließen um bei der Ankunft eine neue Welt zu erschaffen.
Während der Reise wachten die Kapitänsfamilien über die Generationenraumschiffe. Sie hatten sich nur der Mission der Kolonisierung verschrieben. sie wurden auf den Schiffen geboren und sie starben auch hier. Ihre einzige Lebensaufgabe konnte es sein, die Kolonisierung bei Ankunft der Schiffe zum Erfolg zu führen und das Schiff am Leben zu erhalten. Somit verbrachten diese Familien neben der Wartung der Schiffe auch viel Zeit mit Forschung und Entwicklung. Der Technologie-Stand an Bord der riesigen Generationenschiffe entwickelte sich also auch weiter.

Als die Zenith im dritten Horizont auftauchte, erwacht eine gewaltige Zahl von fähigen und motivierten Kolonisten aus dem Kälteschlaf. Im Chaos des Aufwachens bildet sich eine Vielzahl von Gruppierungen, greift auf die gewaltigen Ressourcen des Generationenschiffes zurück und breitet sich im dritten Horizont aus, der sich immer noch von den vernichtenden Portalkriegen erholt. Schnell werden die Zenither daraufhin zu einer dominierenden Fraktion in vielen Gebieten des dritten Horizionts.

Deep_Impact

  • Full Member
  • ***
  • Beiträge: 109
  • Geschlecht: Männlich
  • Mögen die Ikonen euch segnen
    • Profil anzeigen
Re: Fragen zum Hintergrund von Coriolis
« Antwort #3 am: 07. Mai 2019, 14:57:27 »
Klingt nach ein plausiblen Lösung.

Was man ja immer nicht vergessen darf: Im dritten Horizont leben vermutlich einige Millarden Erstsiedler aber kaum 10.000 echte Zenither. Ein Großteil der zweiten Generation ist als nicht mehr genetisch reinblütig, sondern hält mehr an den Einsichten und Gebräuchen ihrer Ahnen fest. Das erklärt auch, warum viele Planeten eher rückständig sind.

Zum Thema "Erinnerung an den Ersten Horizont", schau mal auf Seite 181. Da steht, dass die Zenith und die Nadir vor der Entdeckung der ersten Portals abgeflogen sind. Darum ist nicht viel mit Erinnerung. Übrigens ist das auch wichtig für die Emissary Lost Kampagne.

Gumbald

  • Jr. Member
  • **
  • Beiträge: 79
    • Profil anzeigen
Re: Fragen zum Hintergrund von Coriolis
« Antwort #4 am: 07. Mai 2019, 16:23:23 »
Ja, Abflug der Zenith war -1000 CZ, Kolonisierung des dritten Horizonts war -500 CZ.
Mich würde interessieren, wie der erste Horizont wohl etwa -1000 CZ aussah. Das Imperium scheint es da noch nicht gegeben zu haben.

Vermutlich war es eine Welt, in der der Kampf um Ressourcen noch erbitterter geführt wurde, weil er auf ein Sonnensystem begrenzt war.
Eventuell gab es dort noch Strukturen von konkurrierenden Mega-Konzernen. Möglicherweise waren die Nadir und die Zenith auch Schiffe von konkurrierenden Konzernen, die nicht zusammen sondern beinahe zeitgleich auf die Reise geschickt wurden um den dritten Horizont für den jeweiligen Konzern zu sichern (aber hier begibt man sich wieder in Überlegungen, die später eventuell vom offiziellen Meta-Plot aufgegriffen werden...)
Eine Welt von alles beherrschenden Mega-Konzernen im Jahr -1000 CZ stände dann im Kontrast zum späteren Imperium, das aus der Asche eines Sonnensystem-weiten Krieges entstanden sein könnte.
Es wäre auch eine schöne Erklärung, warum mit dem Konsortium dann wieder sehr schnell ähnliche Strukturen geschaffen werden wie "damals" auf der Erde: Man fällt in alte Denkmuster zurück und baut die den Zenithern bekannte Welt im dritten Horizont nach.

Bezüglich der Anzahl der Zenither im dritten Horizont: Im Regelwerk wird auf S.183 erwähnt, dass es "mehrere hunderttausend Siedler pro Schiff" im Kälteschlaf gab. Wenn wir mal von ursprünglich 300.000 ausgehen, dann können das inzwischen bei ~ 60 CZ sicher locker über 500.000 sein.
Damit sind die Zenither immer noch stark in der Unterzahl, aber das ist schon eine ganze Menge...

Deep_Impact

  • Full Member
  • ***
  • Beiträge: 109
  • Geschlecht: Männlich
  • Mögen die Ikonen euch segnen
    • Profil anzeigen
Re: Fragen zum Hintergrund von Coriolis
« Antwort #5 am: 07. Mai 2019, 16:49:58 »
Eine Null vergessen :D