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Spielsysteme => Space: 1889 => Thema gestartet von: nikioko am 28. Dezember 2012, 20:58:24

Titel: 1889-Kampagne, Eindrücke
Beitrag von: nikioko am 28. Dezember 2012, 20:58:24
Hallöchen,

in letzter Zeit ist es ziemlich still gewesen. Das liegt primär an meiner doch recht spärlichen Freizeit. Aber dennoch möchte ich hier kurz umreißen, wie es mit meiner Space: 1889-Kampagne so läuft. Da ich in Zukunft vorhabe, die Abenteuer in eine präsentierbare Form zu setzen (sprich, es anderen ermöglichen will, die Abenteuer nachzuspielen), sollten Spieler bitte nicht weiterlesen! Leider kennt dieses Forum keine Spoiler-Tags. :-(

Meine Spieler haben sich dafür entschieden, Russen zu spielen: einen Historiker mit Schwerpunkt auf mythischen Kulturen (z. B. Atlantis), einen Rittmeister des kaiserlichen Husarenregiments nebst dessen Diener, einen Schlosser und Feinmechaniker mit zweifelhaftem Nebenerwerb und einen zerstreuten Professor, der so von dem Gedanken, einen Raketenantrieb für Flugschiffe zu entwickeln, besessen ist, dass er für seine spontanen Ideen immer eine kleine Menge Sprengstoff mit sich führt. All diese Gestalten leben in St. Petersburg, der Hauptstadt des Reiches, und sind notorisch abgebrannt und wissen nicht, wie sie die nächste Miete bezahlen sollen. Der Rittmeister hat dafür schon sein Pferd verkauft. Doch zum Glück gibt es Abenteuer...

1. Abenteuer: Petersburger Nächte
Ich habe das Abenteuer im Januar 1889 starten lassen. In Anbetracht der Tatsache, dass ich später soviele Anachronismen einführen musste, wären ein paar Jahre später aber sicher besser gewesen. Egal. Also, die Charaktere sind notorisch abgebrannt. In sofern kommt es ihnen gut zupass, dass sie eines Tages einen Brief erhalten, der ein 100-Rubel-Note (etwa 15 Pfund Sterling) zur Zahlung der schlimmsten Schulden sowie eine Einladung für den nächsten Abend enthält, welche noch mehr Geld in Aussicht stellt. Die Einladung stammt von Wiktor Bogdanowitsch, einem reichen Industriellen und Kunstsammler, der die Charaktere zu seiner Villa in Peterhof einlädt. Die Charaktere können bequem mit dem Zug anreisen und werden vom Butler Alexei in Empfang genommen und in den Salon geführt, wo bereits etwa 10 andere Herrschaften warten. Der aufmerksame Beobachter stellt fest, dass hier in den Vitrinen marsianische Kunstgegenstände ausgestellt werden.
Als der Herr des Hauses schließlich erscheint, hält er eine mehrminütige Ansprache, in der er verlautet, dass Seine Majestät wegen des jüngsten Lückenschlusses in Amerika beschlossen hat, eine Eisenbahnstrecke durch Sibirien bis zum Pazifik zu bauen, woran auch Bogdanowitschs Gesellschaft beteiligt sein würde und für die im Vorfeld Pionierarbeit, auch in Tatarenland, geleistet werden müsse, und dass dafür Menschen mit besonderen Fähigkeiten gebraucht werden.
Nach einer fünfminutigen Gedenkzeit sind die meisten der Gäste gegangen und nur die Charaktere bereit, sich auf diese Arbeit einzulassen (im Zuge der weiteren Ausarbeitung lässt sich aber bestimmt noch ein weiterer NSC einführen, der auch dabei ist).  Zum großen Erstaunen führt die Reise aber nicht nach Sibirien, sondern zunächst nur zurück nach Sankt Petersburg. Der Auftrag: aus der Mars-Ausstellung der Eremitage einen Gegenstand zu entwenden, von denen in einer Schatulle eine genaue Replik mitgegeben wird: ein etwa 15 cm langer und 2 cm dicker gravierter Sandsteinstab (die Maße passen zufälligerweise mit denen einer Rolle Ubiquitywürfel überein ;-)). Die Ortsbesichtigung birgt eine Überraschung: der zu entwendende Gegenstand ist laut Plakette eine Leihgabe von eben jenem merkwürdigen Herrn Bogdaniwitsch. Ein Versicherungsbetrug? Da die Sicherheitsvorkehrungen sehr lasch sind, wird beschlossen, den Bruch in der Nacht zu machen. Mit einer Leiter und einem Glasschneider geht es durchs Fenster zum Ausstellungsraum im 1. Stock. Und auch das Objekt ist schnell angeeignet, gerade, als in der Tür ein Schlüssel knirscht. Der Nachwächter bemerkt auf seinem Rundgang den Einbrecher nicht, und da der Stab durch die Replik ausgetauscht wurde, fällt ihm der Diebstahl nicht auf. Nachdem er den Saal wieder verschlossen hat, kann der Einbrecher durchs Fenster raus. Eine kurze Untersuchung im Labor des Professors ergibt, dass dieser massive Steinstab magnetisch ist. Am nächsten Morgen geht es zu Bogdaniwitsch, der als Belohnung 500 Rubel auszahlt. Auf die Frage, warum er sich sein Eigentum nicht auf normale Weise aushändigen lässt, antwortet er, dass dann ja jeder wüsste, dass der Stab bei ihm ist.

2. Abenteuer: Mord im Nord-Express
Am folgenden Tag lesen die Charaktere in der Zeitung von dem Diebstahl in der Eremitage. Was sofort auffällt ist, dass die Details wie Einbruchszeit, -ort sowie die Behauptungdes Museumsdirektors, ein Nachtwärter wäre niedergeschlagen worden, nicht stimmen. Prof. Stassow, der Direktor, bestätigt aber gegenüber der Presse, dass die wertvolle Gemäldesammlung unberührt ist, und dass der gezielt gestohlene Gegenstand von eher geringem Wert ist. Kurz darauf erhalten die Charaktere einen Brief von Bogdanowitsch, der sie auffordert, ihre Koffer für eine längere Reise zu packen, am Bahnhof abzugeben und ihn am frühen Nachmittag am Kaffeehaus im Sommergarten zu treffen. Doch statt Bogdanowitsch taucht nur ein Passant auf, der sich Feuer geben lässt und dabei ein Zigarettenetui fallen lässt. Darin befindet sich ein Schlüssel für ein Schließfach und ein Brief von Bogdanowitsch, in dem steht, dass er es nicht schaffen konnte, und dass die Charaktere die Reise nach Paris allein antreten sollen. Im Schließfach am Bahnhof seien genug Geld und etwas Ausrüstung versteckt.
Im Schließfach sind schließlich 500 Rubel für die Zugfahrkarten nach Berlin und weiter nach Paris, sowie zwei Webley-Revolver inclusive Munition.
Kurz vor der Abfahrt des Zuges helfen die Charaktere einem älteren Herrn, der Probleme mit seinem Gepäck hat, beim Einsteigen. Der Mann bedankt sich, stellt sich als Stassow vor und lädt die Charaktere ein, später mit ihm im Speisewagen zu Abend zu essen. Bei diesem angeregten Gespräch, in dem viele Fragen gestellt werden, bleibt anschließend Stassows Aktentasche stehen. Der Versuch, ihm die Taschen zurückzugeben scheitert, da der Mann auf Klopfen nicht reagiert. Da wie immer die Neugier siegt, schauen die Charaktere in ihrem Abteil in die Tasche und entdecken nur den Steinstab sowie eine handschriftliche Notiz, dass er in ihren Händen sicherer aufbewahrt wäre.
Am nächsten Morgen bringen die Charaktere die Tasche zurück zu Stassow, der sich bedankt und sie erneut zum Essen im Speisewagen einlädt. Kurz vor dem Essen kommt es zum Tumult im Zug: vor dem Abteil eines älteren Ehepaars hat sich eine Menschentraube gebildet, weil angeblich ins Abteil eingebrochen und Schmuck gestohlen wurde. Die Charaktere beschließen, dem keine Beachtung zu schenken und gehen weiter in den Speisewagen, warten aber vergeblich auf Stassow. Voller schlechter Vorahnungen schicken sie einen Bahnangestellten, um nach Stassow zu sehen, der nach einigen Minuten zurückkommt mit der Nachricht, dass sich bei Stassow niemand meldet. Ein Gang zu Stassows Abteil und das Eröffnen der Tür mit dem Zweitschlüssel des Schaffners gibt einen grausigen Blick frei: Stassow sitzt in einer Lache aus Blut, der Kopf durch eine Klaviersaite fast abgetrennt. Auf dem Boden verstreut liegen zahlreiche Dokumente, und die Kabine wurde komplett durchwühlt. Am nächsten Bahnhof wird die Polizei verständigt, und ein Inspektor der Kriminalpolizei sowie mehrere Polizisten betreten den Zug und befragen sämtliche Passagiere. Da kein Tatverdächtiger ermittelt werden kann, steckt der Zug mehrere Stunden im Bahnhof fest. Gegen Einbruch der Dunkelheit gibt es Lärm, und ein Mann rennt aus dem Zug. Laut der mitgereisten Geheimpolizisten (von welchen die Charaktere erst dachten, sie seien vermutlich die Mörder) handelt es sich um einen polnischen Anarchisten. In dessen Kabine werden eine blutige Klaviersaite sowie der gestohlene Schmuck gefunden. Der Inspektor lässt nach dem Mann fahnden, da er für ihn der mutmaßliche Mörder ist, kann der Zug weiter fahren. Die Charaktere denken, dass das viel zu einfach war und stellen Wachen auf und ermitteln neue Verdächtige (Paranoia ist doch was Schönes ;-)). In Königsberg schließlich verlässt einer der Typen den Zug und kommt nach etwa 15 Minuten mit einem Päckchen Zigaretten zurück (dass er den Halt genutzt hat, um an seinen Auftraggeber zu kabeln, dass er Verstärkung braucht, weil jetzt nicht mehr ein alter Typ, sondern 5 Leute das Objekt bewachen, dürfte recht treffend sein).
Mitten in der Nacht klopft es an der Tür. Unter größten Sicherheitsvorkehrungen wird geöffnet, und die Charakere erkennen Alexei, der von Bogdanowitsch geschickt wurde, weil die Nachtricht von Stassows Tod mittlerweile zur die Presse geht.
Als erste Vorsichtsmaßnahme ziehen die Charaktere in ein neues Abteil um, wobei sie möglichst viel von ihrem Gepäck in alten lassen sollen. Denn tatsächlich bekommen die Ganoven in den frühen Morgenstunden Verstärkung und nehmen sich das Abteil der Charaktere vor, in dem sie aber nicht fündig werden. Kurz hinter Schneidemühl zieht Alexei die Notbremse und drängt die Charaktere aus dem Zug. Dabei werden sie von den Ganoven verfolgt. Im folgenden Geländelauf mit Schuswechsel erweist sich Alexei als guter Schütze. Sie erreichen am Waldrand eine Gruppe von Reitern, angeführt von einer deutschen Frau namens Lisa Peters, die die Charaktere und Alexei auf ihre Pferde nehmen und nach Filehne bringen. Von dort geht es per Pferdeschlitten über die vereiste Netze und Warthe nach Landberg, wo auf einem Feld bereits Lisas Luftschiff, ein Zeppelin, wartet. Gerade als der letzte Anker gelöst ist, preschen aus dem Unterholz die Verfolger, und im folgenden Schusswechsel schafft es Lisa, das untere Ende der Strickleiter zu erreichen, während der Zeppelin rasant an Höhe gewinnt.
Die gesamte Zugfahrt war übrigens ein Anachronismus, da der erste Nord-Express erst 1896 durch Preußen rollt. Selbst die D-Züge mit Seitengang wurden erst 1892 eingeführt, davor gab es nur die dreiachsige Abteilwagen mit Außentüren. Das wäre aber eine langweilige Zugfahrt geworden...

3. Abenteuer: Die Pyramide des Itzamná
Die weiteren 1000 km Luftlinie von Landsberg nach Paris stellen kein Hindernis dar, und da der Zeppelin relativ komfortabel ausgestattet ist, können die Charaktere erstmals seit der Abreise komfortabel schlafen. Die Reise dauert etwa 16 Stunden, so dass die Gruppe sogar noch einige Stunden vor dem Zug in Paris ankommt (Ich habe mich dabei bewusst über die Angabe im GRW, mit einem Zeppelin können man 480 km am Tag zurück legen, hinweg gesetzt, weil laut verschiedener Quellen die frühen Zeppeline schon eine durchschnittliche Reisegeschwindigkeit von 70 km/h hatten. bei 1000 km macht das 15 Stunden Flugzeit.). Vom Flugfeld in Paris, in dessen Nähe sich der fast fertige Eiffelturm befindet, geht es per Droschke zu der in Bogdanowitschs Schreiben angegebene Adresse, während Lisa und ihre Crew das Flugschiff für die Weiterreise vorbereiten. In der Wohnung in der Pariser Innenstadt treffen die Charaktere endlich auf Bogdaniwitsch sowie den Archäologen Prof. Pierre Maillard, welcher ziemlich aufgeregt das Objekt in Augenschein nimmt und bestätigt, dass es sich um einen so genannten "Königsschlüssel" handle. Mit diesem könne man in die Gräber phätonischer Könige in ihren Pyramiden vordringen. Es folgt eine lange Erklärung, dass Phaeton einst der fünfte Planet von der Sonne aus war, bevor er durch Gezeitenkräfte zerstört wurde, und dass die Phaetonier eine weit entwickelte Kultur und Kolonien überall im Sonnensystem, so auch auf der Erde hatten. Bogdanowitsch drängt auf Beeilung wegen der fortgeschrittenen Zeit und bemerkt, dass auf der Reise nach Mexiko noch genug Zeit wäre, diese Thematik ausführlich darzulegen.
Die etwa 10tägige Flugreise nach Mexiko mit mehreren Zwischenlandungen verläuft ohne Probleme, und die Gruppe ist froh, aus dem Winter endlich in wärmere Gefilde zu kommen. Da das Luftschiff im Dschungel Yucatans nicht landen kann, steht ein Abstieg per Stickleiter bevor. Lisa setzt Bogdanowitsch, Alexei, den Professor und die Charaktere auf der Spitze der Pyramide ab. Nachdem der Zugang zum Inneren gefunden ist und der Weg an diversen Fallen und Türen, an denen der Stab wie ein Durchsteckschlüssel funktioniert, vorbei gebahnt wurde, erreicht man schließlich die Grabkammer, in der viele Goldgegenstände aufbewahrt werden. Auf dem Boden sind mehrere konzentrische Ringe mit unterschiedlich großen Kugeln angebracht, was wohl ein Planetensystem darstellen soll. Auffällig ist, dass an fünfter Position ein erdgroßer Planet mit vier Satelliten dargestellt wird. In der Mitte dieses Systems befindet sich ein steinerner Sarkophag, der den Gottkönig Itzamná beinhalten soll, auf einer Stufenpyramide. Mit gemeinsamer Anstrengung ist der Sarkophag bald geöffnet. Darin befindet sich eine sehr gut erhaltetene groß gewachsene Mumie. Die Haut ist fahlgrau, und die Leiche erweckt den Eindruck, als ob die gerade erst gestorben sein, obwohl sie hier schon seit Jahrtausenden liegt. Auffällig ist zudem die merkwürdige längliche Kopfform, die man auch von ägyptischen Mumien kennt, sowie die Tatsache, dass die Leiche an Händen und Füßen nur jeweils vier Finger und Zehen aufweist. Auf der Brust der Mumie ruht eine gravierte goldene Scheibe, außerdem liegt in dem Grab eine zusammengerollte Schriftrolle. Beim Ausrollen scheint dies eine Karte zu sein (die drei Gesichter der Erde), auf der die phaetonischen Kolonien verzeichnet sind. Beim Anheben der goldenen Scheibe setzt sich das Planetenmodell in Bewegung. Die Planeten fangen an zu leuchten und kreisen gemäß ihrer Umlaufzeit um den zentralen Sockel. Gleichzeitig fällt die Tür zur Schatzkammer zu und ein dumpfes Grollen geht durch die Pyramide. Die Gruppe fängt an zu laufen, hinter ihnen stürzen Felsblöcke zu Boden, doch mit Hilfe des Schlüssels, welcher letztlich in der Pyramide verbleibt, gelingt schließlich die Flucht in Freie, wo Lisa die Abenteurer an Bord des Zeppelins nimmt.

To be continued...
Tja, jetzt bin ich gerade ziemlich am Grübeln, wie es weiter gehen soll. ;-)
Titel: Re: 1889-Kampagne, Eindrücke
Beitrag von: Stefan Küppers am 29. Dezember 2012, 10:50:37
Ich weiß nicht, ob ich es dir schon empfohlen hatte; die Fandorin-Romane von Boris Akunin sind eine prima Inspiration - und passen von der Zeit her auch gut.
Titel: Re: 1889-Kampagne, Eindrücke
Beitrag von: nikioko am 29. Dezember 2012, 16:33:40
Ich weiß nicht, ob ich es dir schon empfohlen hatte; die Fandorin-Romane von Boris Akunin sind eine prima Inspiration - und passen von der Zeit her auch gut.

Hattest Du. Vielen Dank. Sobald ich zeitlich weniger angespannt bin, werde ich mir die auf jeden Fall zu Gemüte führen.
Titel: Re: 1889-Kampagne, Eindrücke
Beitrag von: Orok am 29. Dezember 2012, 19:09:09
klingt hammergut. In der Runde würde ich sehr gerne mitspielen. Vielen dank für deinen spannenden Bericht. Solltest du tatsächlich deine Abenteuer ausformulieren, würde ich mich sehr freuen die auf meiner Seite zu veröffentlichen.
Bin sehr gespannt wie es weiter geht.
Titel: Re: 1889-Kampagne, Eindrücke
Beitrag von: Ernesto v. Hemmwegen am 30. Dezember 2012, 00:57:52
Dem möchte ich mich anschließen. Auch wenn ich leider keine Space 1889-Gruppe habe, lese ich doch sehr gerne Spielberichte oder Abenteuer.

In welche Richtung soll die Kampagne denn gehen? Weiter auf der guten alten Erde oder bald hinaus in die Weiten des Sonnensystems? Bisher hörte sich das selbst ohne ferne Welten spannend und interessant an.
Titel: Re: 1889-Kampagne, Eindrücke
Beitrag von: Matthias am 30. Dezember 2012, 14:05:45
Sehr schöne Schilderung und guter Ideengeber. Vielen Dank!

Gruß,
Matthias
Titel: Re: 1889-Kampagne, Eindrücke
Beitrag von: nikioko am 30. Dezember 2012, 16:19:30
Dem möchte ich mich anschließen. Auch wenn ich leider keine Space 1889-Gruppe habe, lese ich doch sehr gerne Spielberichte oder Abenteuer.

In welche Richtung soll die Kampagne denn gehen? Weiter auf der guten alten Erde oder bald hinaus in die Weiten des Sonnensystems? Bisher hörte sich das selbst ohne ferne Welten spannend und interessant an.

Also, ganz grob: Da der Zeppelin über keinen Ätherantrieb verfügt und dieser auch recht teuer ist, wird es vielleicht noch das eine oder andere Abenteuer auf der Erde geben. Der Tunguska-Meteorit kam leider erst später, wäre aber ein schöner Aufhänger gewesen. Da wir aber schon mal in Mittelamerika sind, könnte ich mir einen kleinen Abstecher zum Isthmus von Coatzacoalcos vorstellen. Immerhin ist Bogdanowitsch Eisenbahnunternehmer. Letztlich soll die Reise aber von der Erde wegführen.
Die Analyse der Datenscheibe (die man sich in etwa vorstellen kann wie die goldenen Schallplatten auf den beiden Voyager-Raumsonden) soll ergeben, dass die Phaetonier Kolonien auf Venus, Erde, Mars, diversen Phaeton-Monden, aber auch im äußeren Sonnensystem hatten. Daraus lässt sich schließen, dass sie über überlegene Antriebstechnik verfügten. Auch lässt sich anhand von Bildern bestätigen, wie die Jungs ausgesehen haben (nämlich wie die Mumie in der Maya-Pyramide). Der nächste Schritt lautet also, den Zeppelin mit einem Ätherantrieb (das Sprungtriebwerk von 1889) auszurüsten und sich ein wenig von dieser Hochtechnologie abzugreifen. Venus, Erde und Mars sind schon recht überlaufen, und durch Erosion dürfte auch nicht mehr viel erhalten geblieben sein. Was nicht heißt, dass man nicht das eine oder andere Abenteuer dort stattfinden lassen kann.
Der Asteroidengürtel mit Ceres, Pallas und Vesta scheint aber noch vielversprechender zu sein. Und tatsächlich, nach einigem Ärger mit den Gesetzlosen, die sich hier verschanzen, wird auf Ceres ein fast völlig intaktes Labor gefunden (fehlende Plattentektonik und Atmosphäre können eben auch ein Vorteil sein), in dem auch merkwürdige silbrige Stoffbahnen gefunden werden, die anscheinend Sonnenlicht in elektrischen Strom verwandeln können. Anscheinend arbeiten diese so effizient, dass man damit bis zu den Galileischen Monden vordringen kann. Zudem wird das Energieproblem gelöst, welches bei dampfgetriebenen Schiffen ja vornehmlich aus dem Vorrat an Brennstoff und Wasser besteht. Das Umrüsten des Schiffs nimmt einiges an Zeit in Anspruch, so dass ich mir ein paar Zwischenabenteuer auf dem Mars vorstellen kann.
Letzlich aber geht es weiter, zu den Vulkanen des Io, die Meere von Europa, den Amazonenplaneten Ganymed oder die verlorene Kolonie von Kallisto, in der heute noch Nachfahren der Phaetonier auf einem ziemlich rückständigen Niveau leben. Dennoch lassen sich in den Ruinen der Städte der einstigen Hochkultur einige Schätze bergen, unter anderem ein feurig-schimmernder Zylinder aus Metall, der unentwegt große Mengen elektrischer Energie freigibt (heute würde man das wohl eine Radionuklidbatterie nennen) und eine Stromversorgung des Schiffs auch dann sicherstellen kann, wenn die Sonnensegel längst nicht mehr genug Energie liefern. Und damit sollte der weitere Weg für eine Expedition ins äußere System frei sein, dorthin, wo kein Mensch zuvor gewesen ist. Hinein in die äußere Leere hinter Neptun, den Kuipergürtel und vielleicht gar zum legendären Stern Nemesis (http://www.drpetrov.com/1889/planets/planets8.htm).
Ideen für Abenteuer in Star-Trek-Manier sollten sich wohl zuhauf finden lassen.

Sehr schöne Schilderung und guter Ideengeber. Vielen Dank!

Gruß,
Matthias
Danke. Ich werde versuchen, hier alles aktuell zu halten.
Titel: Re: 1889-Kampagne, Eindrücke
Beitrag von: Orok am 30. Dezember 2012, 19:17:28
Hast du einen alternativen Weltraum und Ätherantrieb in deiner Kampagne? Irgendwie klingt dein letzter Post so. Wäre gespannt mehr zu erfahren.
Titel: Re: 1889-Kampagne, Eindrücke
Beitrag von: ubiHEX am 30. Dezember 2012, 22:14:19
Sehr schön zu lesen. Ich freue mich schon auf die ausformulierte Fassung und werde dann gerne auf ubiHEX die Werbetrommel rühren.
Titel: Re: 1889-Kampagne, Eindrücke
Beitrag von: nikioko am 30. Dezember 2012, 22:19:08
Hast du einen alternativen Weltraum und Ätherantrieb in deiner Kampagne? Irgendwie klingt dein letzter Post so. Wäre gespannt mehr zu erfahren.
Jein. Zur Zeit entspricht alles noch den bekannten Regelwerken. Der Ätherantrieb lässt Reisen bis zum Mars und unter enormer Pionierleistung bis zum Asteroidengürtel zu. Darüber hinaus wird das gebündelte Sonnenlicht zu schwach, um das Wasser im Kessel der Dampfmaschine zu erhitzen. Kohle als Brennstoff ist ja nur bei Atmosphärenflügen möglich.

Fest steht jedoch auch, dass die Phaetonier weite Teile des Sonnensystems besiedelt haben, dank ihrer Hochtechnologie. Und dafür erlaube ich mir, als Artefakt Sonnensegel einzuführen, die anders als die der heutigen Raumfahrt den Namen völlig zu Recht tragen: Stoffbahnen, die an Masten getakelt werden, um im Sonnenwind zu segeln und das Ätherschiff voranzutreiben. Zusätzlich besitzen sie die Eigenschaft, mit einem hohen Wirkungsgrad eingestrahlte Sonnenenergie in elektrischen Strom zu verwandeln und damit die Energieversorgung des Schiffs und der Elektromotoren des Schraubenantriebs zu gewährleisten. Mit etwas technischem Aufwand ließen sich diese Stoffbahnen auch außen auf die Ballonhülle eines Zepellins aufbringen. Dadurch gehen zwar die Segeleigenschaften verloren, aber die Stromerzeugung ist weiterhin möglich. Es versteht sich von selbst, dass diese Stoffe als Artefakte (zunächst) nicht reproduzierbar sind und man bei Zerstörung Ersatz aus Phaetonierruinen besorgen muss, was noch einmal ein Abenteuer für sich werden kann. Dadurch werden aber Reisen weit über die bisher bekannten Grenzen hinaus möglich. Da der Strahlendruck der Sonne allerdings mit dem Abstandsquadrat abnimmt, nehmen dann sowohl die Segelleistung als auch die photovoltaische Energieerzeugung ziemlich schnell ab, so dass das Schiff kaum bis zum Saturn kommt. Dafür wäre dann eine andere, von der Sonnenstrahlung unabhängige Energiequelle notwendig. Ob, wann und wo diese Radionuklidbatterie entdeckt wird, weiß ich noch nicht, aber vom Aussehen her soll sie der Beschreibung von Oreichalkos entsprechen, um einen weiteren Mythos einzuführen. Für die Gruppe wäre sie eine Black Box, die aus sich heraus nahezu unbegrenzt elektrischen Strom liefert und damit die Ätherschraube antreiben kann, wenn die Sonnenenergie allein längst zu schwach geworden ist.

Ein weiterer Punkt, der nicht vergessen werden darf, ist der, dass der Abstand zwischen den Planeten nach außen immer größer wird, weshalb immer größere Strecken durch die interplanetare Leere überwunden werden müssen. Vor allem, wenn der nächste Planet vom augenblicklichen Standort in Konjunktion zur Sonne steht. Wenn die Charaktere also auf der Reise nicht alt und grau werden wollen, müssen fast zwangsläufig Methoden gefunden werden, sich schneller durch den Äther zu bewegen.

Was den alternativen Weltraum angeht, so beziehe ich meine Beschreibungen von den "Altvorderen", also Leuten, die über Jahre Space: 1889 gespielt und die Welt von Haus aus erweitert haben. Insbesondere von dieser Seite: http://www.drpetrov.com/1889/ (http://www.drpetrov.com/1889/). Dort gibt es im Referee's Guide to the Solar System auch Beschreibungen zu den Asteroiden, Jupitermonden und das äußere Sonnensystem: http://www.drpetrov.com/1889/planets/planets3.htm (http://www.drpetrov.com/1889/planets/planets3.htm)

Beispiel:
Zitat
Europa
The Water Planet

The surface of Europa is covered almost entirely by water, and the world's weather tends to be warm and stormy. The regions around the equator are very warm and water evaporates quickly, resulting in a region where humidity is high and the weather is cloudy and perpetually stormy. The polar regions, though also cloudy, have a less violent climate and are cooler, allowing for a more habitable environemnt.
 
The primary form of life on Europa is the Leviathan, who in its mature form resembles a giant floating island up to half a mile long. The Leviathan goes through a variety of stages of life before entering it's "floating island" stage, some of which resemble that of an eel, a shark, or a manta ray, before turning into the leviathan stage, which is a filter feeder. Many forms of surface life have adapted to living on the backs of the Leviathan.

Naturally, virtually all life on Europa is aquatic, though a few small islands exist in the Northern Hemisphere. An aquatic intelligent race exists, though they are mammalian and similar biologically to dolphins, though they have arms and hands and legs with webbed feet, and in structure are more similar to humans. They require air to breathe and have a blowhole on the back of their heads, though they can hold their breath for up to an hour.

An offshoot of this race has taken up residence on the islands and lost their dependence on water and some of their aquatic abilities, though they are still excellent swimmers and retain their webbed feet and blowholes. Since the islands themselves are small and cannot support a large population, the inhabitants rely on fishing for most of their food. This sometimes brings them into conflict with their undersea relatives, who live in the shallows and guard their territory carefully. However, the relationship between the two races is usually peaceful and the surface dwellers can make tools using fire that the sea people cannot, so a trading economy has developed between them.

Data:
Diameter: 1961 miles
Surface area: 0.061 Earths
Surface Gravity: 0.4 Earths
Day: 3.55 days
Year: 11.86 years
Orbital distance: 419,000 miles (from Jupiter)

Ich werde mich bei meiner Kampagne inhaltlich auf diese Angaben stützen, sofern keine triftigen Gründe dem entgegen sprechen.

Was ich z. B. auch noch sehr ansprechend finde, sind die Seleniten aus H. G. Wells' ersten Fahrt zum Mond, welche es in Space ja auch gibt. Von daher wäre ein Abstecher zum Mond vielleicht auch nicht verkehrt. Oder ich verlagere dieses Volk einfach woanders hin.

Insgesamt ist es mir bei dieser Kampagne wichtig, dass die Charaktere Pioniere sind, die sich aufmachen, neue Welten zu entdecken. Natürlich gibt es viele schöne Abenteuerideen für die bekannten Welten, aber es war auch der ausdrückliche Wunsch der Spieler, auf eigene Faust und im eigenen Schiff, ähnlich wie Han Solo oder Malcolm Reynolds, ihr Glück zu suchen. Und was ist könnte schöner sein als einen Ort als erster zu erreichen, was ist abenteuerlicher als eine Entdeckungsreise ins Ungewisse?

Worüber ich übrigens gerade am Grübeln bin ist, wie ich am besten den großen Antagonisten, der immer wieder versucht, den Abenteurern in die Suppe zu spucken, einführe. Die Gefahr, die von ihm ausgeht, habe ich ja schon auf der Zugfahrt eingebaut. Nun sollte er aber auch mal von Zeit zu Zeit auf der Bildfläche auftauchen und für Ärger sorgen. DIe Nationalität steht schon fest. Nicht umsonst hegt einer der Charaktere Hass gegen die Engländer. ;-)
Titel: Re: 1889-Kampagne, Eindrücke
Beitrag von: Orok am 30. Dezember 2012, 23:21:30
Zitat von: nikioko
Zitat von: Orok
Hast du einen alternativen Weltraum und Ätherantrieb in deiner Kampagne? Irgendwie klingt dein letzter Post so. Wäre gespannt mehr zu erfahren.
Jein. Zur Zeit entspricht alles noch den bekannten Regelwerken. Der Ätherantrieb lässt Reisen bis zum Mars und unter enormer Pionierleistung bis zum Asteroidengürtel zu. Darüber hinaus wird das gebündelte Sonnenlicht zu schwach, um das Wasser im Kessel der Dampfmaschine zu erhitzen. Kohle als Brennstoff ist ja nur bei Atmosphärenflügen möglich.

Ich bezog mich unter anderem auf das hier:
Zitat von: nikioko
Der nächste Schritt lautet also, den Zeppelin mit einem Ätherantrieb (das Sprungtriebwerk von 1889) auszurüsten
Das sollte doch wenn nicht unmöglich, zumindest aber extrem schwer machbar sein. Ein Neubau ist wohl in der Regel sinnvoller. Mal ganz abgesehen vom Platz (Ätherschiffe müssen einfach eine gewisse Größe haben, gerade ein Zeppelin, alleine wegen Motoren, Quartieren, Vorräten, Gärten) muss ja so ein Raumschiff auch gepanzert sein (Mikroasteroiden, Piraten und Ätherstürme), und entsprechend gegen Kälte und Strahlung isoliert sein.
Versteh mich nicht falsch. Du kannst in deiner Kampagne machen was immer du willst, ich finde es nur interessant wie jeder SL diese Pseudo-Wissenschaft von Space:1889 in seine Kampagne einbindet.
Als Idee: Vielleicht hat ja der Energieumwandlungseffekt des seltsamen silbernen StoffTM auch als Nebenwirkung eine Art Hüllenpolarisation (wie bei Star Trek "Enterprise") zur Folge.
Titel: Re: 1889-Kampagne, Eindrücke
Beitrag von: nikioko am 31. Dezember 2012, 00:32:24
Ich bezog mich unter anderem auf das hier:
Zitat von: nikioko
Der nächste Schritt lautet also, den Zeppelin mit einem Ätherantrieb (das Sprungtriebwerk von 1889) auszurüsten
Das sollte doch wenn nicht unmöglich, zumindest aber extrem schwer machbar sein. Ein Neubau ist wohl in der Regel sinnvoller. Mal ganz abgesehen vom Platz (Ätherschiffe müssen einfach eine gewisse Größe haben, gerade ein Zeppelin, alleine wegen Motoren, Quartieren, Vorräten, Gärten) muss ja so ein Raumschiff auch gepanzert sein (Mikroasteroiden, Piraten und Ätherstürme), und entsprechend gegen Kälte und Strahlung isoliert sein.
Versteh mich nicht falsch. Du kannst in deiner Kampagne machen was immer du willst, ich finde es nur interessant wie jeder SL diese Pseudo-Wissenschaft von Space:1889 in seine Kampagne einbindet.
Als Idee: Vielleicht hat ja der Energieumwandlungseffekt des seltsamen silbernen StoffTM auch als Nebenwirkung eine Art Hüllenpolarisation (wie bei Star Trek "Enterprise") zur Folge.
Ach so, diese Problematik... Ja, das mit der Pseudowissenschaft ist eine gute Frage, das Problem ist aber lösbar.
Zunächst einmal ist dieser Zeppelin ein Frachtflieger. In der Gondel ist also schon von Natur aus wenig Platz für Passagiere und viel für Güter vorgesehen. Das wäre bei einer Expedition dann keine Fracht, sondern Vorräte. Für den Flug durch den luftleeren Raum müsste das Ganze natürlich entsprechend abgedichtet werden.
Der weitaus größere Teil des Zeppelins macht die Hülle aus. Und die beinhaltet außer Wasserstoff nicht viel. Es gibt also genug Platz, um die von Dir angesprochenen Dinge unterzubringen, indem man nur die Hülle neu konstruiert, mit zusätzlichen Streben und Decks versieht etc.. Das erhöht zwar insgesamt das Startgewicht, aber ganz ehrlich: in dieser Welt gibt es Flugfahrräder! Die Frage, ob ein Neubau nicht sinnvoller oder gar billiger ist, ist berechtigt. Aber andererseits gibt es immer eine gewisse Sentimentalität, die Kapitän und Crew zu "ihrem" Schiff pflegen. Und Emotionen überwiegen häufig die Vernunft.
Apropos Umbau: viele Expeditionsschiffe der Geschichte waren umgebaute Schiffe: die Santa Maria, die Beagle oder die Endeavour, die ursprünglich ein Kohlenfrachter war.

Was die Bevorratung während der langen Reise angeht, so schwirrt zumindest Wasser in Form von Eis genügend durchs All. Lebensmittel müssen bei Landungen vor Ort ergänzt werden, was auch noch mal eine spannende Sache wird. Insgesamt wird es ähnlich laufen wie bei der Erforschung der Erde per Schiff. Natürlich wird die Menge der Vorräte ein Problem: Von der Erde zum Mars sind es mind. 75 Mio. km, was etwa 3 Wochen Reisezeit entspricht. Von da nach Ceres wären mind. 190 Mio. km, was schon über 1,5 Monate wären. Mal abgesehen von der Tatsache, dass sich auf dem Asteroiden wohl kaum etwas Essbares finden ließe. Fliegt man dann weiter zum Jupiter, ist man nochmals 3 Monate unterwegs.

Natürlich ist eine Ballonhülle äußerst verletzlich, weswegen ein Flug gerade in den Asteroidengürtel ein sehr gefährliches Unterfangen wird. Zumindest aber werden ständige Reparaturarbeiten notwendig sein. Möglicherweise kann man den Sonnensegeln eine gewisse protektive Wirkung zuschreiben. Vielleicht wird die Hülle auch beim Anflug auf Ceres zerfetzt und muss repariert werden, und auf der Suche nach Material findet man eben diesen seltsamen silbernen StoffTM  ;)

Die Kampagne ist im Detail noch nicht durchgeplant. Aber eine goldene Faustregel soll hier wie immer gelten: Stimmung geht vor Logik. All diese technischen Fragen sollten der Forschungsreise nicht im Weg stehen. Das Schöne an SF ist doch, dass es funktioniert, ohne dass man sich über die technischen Details Gedanken macht. Die Enterprise hat auch wie selbstverständlich Andruckabsorber, die verhindern, dass die Crew beim Beschleunigen einfach zerquetscht wird. Und wenn Du Dir die erste Fahrt zum Mond ansiehst, dann sind die Probleme auch ganz einfach gelöst: eine mit Flugsalbe eingeschmierte, hermetisch abgeschlossene Kugel, ein paar Hühner sowie Trockennahrung als Vorrat, ein Gewehr, zwei Raumanzüge und das war's.

Lange Rede, kurzer Sinn: natürlich kann man sich über Logiks und Details den Kopf zerbrechen. Oder man lässt die Sache einfach funktionieren und lässt die Mannschaft zwei Monate lang Schiffszwieback und geräucherten Lachs knabbern.
Titel: Re: 1889-Kampagne, Eindrücke
Beitrag von: Orok am 31. Dezember 2012, 00:54:28
Okay, Nostalgie über Profit ist ja auch sehr russisch  8-) Passt doch super!

Nur das hier musst du mir noch erklären, klingt ja sehr obskur. Das macht mich neugierig ;)
Zitat von: nikioko
Und wenn Du Dir die erste Fahrt zum Mond ansiehst, dann sind die Probleme auch ganz einfach gelöst: eine mit Flugsalbe eingeschmierte, hermetisch abgeschlossene Kugel, ein paar Hühner sowie Trockennahrung als Vorrat, ein Gewehr, zwei Raumanzüge und das war's.
Aus welchem Hintergrund hast du das den? Bei Space lief das ja sicher nicht so (alleine wegen Sauerstoff).
Titel: Re: 1889-Kampagne, Eindrücke
Beitrag von: nikioko am 31. Dezember 2012, 01:02:20
Okay, Nostalgie über Profit ist ja auch sehr russisch  8-) Passt doch super!

Nur das hier musst du mir noch erklären, klingt ja sehr obskur. Das macht mich neugierig ;)
Zitat von: nikioko
Und wenn Du Dir die erste Fahrt zum Mond ansiehst, dann sind die Probleme auch ganz einfach gelöst: eine mit Flugsalbe eingeschmierte, hermetisch abgeschlossene Kugel, ein paar Hühner sowie Trockennahrung als Vorrat, ein Gewehr, zwei Raumanzüge und das war's.
Aus welchem Hintergrund hast du das den? Bei Space lief das ja sicher nicht so (alleine wegen Sauerstoff).

Aus diesem: Die ersten Menschen auf dem Mond (http://de.wikipedia.org/wiki/Die_ersten_Menschen_auf_dem_Mond) (Trailer: http://www.youtube.com/watch?v=wO9XjCM6tB8)
Wenn Du es nicht kennst, unbedingt lesen oder den zugehörigen Film (http://de.wikipedia.org/wiki/Die_erste_Fahrt_zum_Mond) ansehen! Das gilt natürlich auch auch für andere Werke von H. G. Wells wie The Shape of Things to Come (http://de.wikipedia.org/wiki/The_Shape_of_Things_to_Come) oder natürlich Die Zeitmaschine (http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Zeitmaschine). Aus dem Krieg der Welten (http://de.wikipedia.org/wiki/Krieg_der_Welten) hat Space sich ja offensichtlich die Dreibeine geklaut.  ;) Und ich oute mich hier mal als großer Wells-Fan.

Nachtrag: es gibt von der BBC eine Neuverfilmung, die ich leider noch nicht gesehen habe:
http://www.youtube.com/watch?v=F2U-OplBePU (http://www.youtube.com/watch?v=F2U-OplBePU)
http://en.wikipedia.org/wiki/The_First_Men_in_the_Moon_%282010_film%29 (http://en.wikipedia.org/wiki/The_First_Men_in_the_Moon_%282010_film%29)
Titel: Re: 1889-Kampagne, Eindrücke
Beitrag von: Orok am 31. Dezember 2012, 01:34:10
Ah sehr cool. Der Film ist mir tatsächlich nicht bekannt gewesen. Wobei ich von Wells natürlich schon das ein oder andere gelesen habe. Ich hab ihn für mich immer als Wyrd-Verne bezeichnet, und der Filmtrailer zeigt nochmal recht gut warum ;). Werde ich mal bei Gelegenheit ansehen. Danke für den Tipp.
Titel: Re: 1889-Kampagne, Eindrücke
Beitrag von: nikioko am 31. Dezember 2012, 21:57:42
Ah sehr cool. Der Film ist mir tatsächlich nicht bekannt gewesen. Wobei ich von Wells natürlich schon das ein oder andere gelesen habe. Ich hab ihn für mich immer als Wyrd-Verne bezeichnet, und der Filmtrailer zeigt nochmal recht gut warum ;). Werde ich mal bei Gelegenheit ansehen. Danke für den Tipp.
Wyrd-Verne? Bei Jules Verne werden Menschen mit einer Kanone zum Mond geschossen. Was Wells übrigens in "Things to Come" wieder aufgegriffen hat. Was aber den Hauptunterschied zwischen Verne und Wells ausmacht, ist die gehörige Portion Sozialkritik, in der die Gesellschaft seiner Tage ihr Fett weg kriegt. ;)
Der Film lohnt sich auf jeden Fall, ebenso wie dieser hier: http://www.youtube.com/watch?v=oFUCH7ppwSI (http://www.youtube.com/watch?v=oFUCH7ppwSI)
Aber ich denke, mein Hauptanliegen ist deutlich geworden: ich versuche nicht, alles in eine Pseudo-Plausibilität hinein zu pressen, sondern die Stimmung der alten Science-Fiction-Klassiker einzufangen. Und dafür muss die plausibilität manchmal etwas zurück stecken.
Titel: Re: 1889-Kampagne, Eindrücke
Beitrag von: Matthias am 01. Januar 2013, 18:43:28
Ich wusste gar nicht, dass es da einen Remake aus dem Jahre 2010 gibt, gleich geshopt! :)
Der alte Film ist wirklich klasse, bin schon auf die Unterschiede gespannt. Die Buchvorlage ist auch sehr zu empfehlen. Liest sich auch nach 100 Jahren noch sehr gut (im Gegensatz zu Jules Verne).

Gruß,
Matthias
Titel: Re: 1889-Kampagne, Eindrücke
Beitrag von: nikioko am 01. Januar 2013, 23:41:57
Ich wusste gar nicht, dass es da einen Remake aus dem Jahre 2010 gibt, gleich geshopt! :)
Der alte Film ist wirklich klasse, bin schon auf die Unterschiede gespannt. Die Buchvorlage ist auch sehr zu empfehlen. Liest sich auch nach 100 Jahren noch sehr gut (im Gegensatz zu Jules Verne).
Die Neuauflage ist von und mit Mark Gatiss, der bei der BBC auch für Sherlock und Doctor Who verantwortlich ist. Verspricht also, potentiell gut zu sein. Und dass sich Wells heute noch besser liest als Verne, liegt wohl daran, dass die beiden Herren alterstechnisch 40 Jahre auseinander liegen. Das ist so, als würde man George Orwell mit William Gibson vergleichen. ;)
Titel: Re: 1889-Kampagne, Eindrücke
Beitrag von: Matthias am 03. Januar 2013, 19:12:16
Die Neuauflage ist von und mit Mark Gatiss, der bei der BBC auch für Sherlock und Doctor Who verantwortlich ist. Verspricht also, potentiell gut zu sein. Und dass sich Wells heute noch besser liest als Verne, liegt wohl daran, dass die beiden Herren alterstechnisch 40 Jahre auseinander liegen. Das ist so, als würde man George Orwell mit William Gibson vergleichen. ;)
Mark Gatiss klingt wirklich vielversprechend! Müsste morgen bei mir ankommen, bin schon sehr gespannt. :)

Verne ist zwar knapp 40 Jahre älter, aber die beiden haben durchaus noch zur selben Zeit geschrieben. Wenn ich z. B. "The Time Machine" (1895) mit "Face au drapeau/Die Erfindung des Verderbens" (1896) vergleiche, dann gefällt mir Wells Stil eindeutig besser.

Gruß,
Matthias
Titel: Re: 1889-Kampagne, Eindrücke
Beitrag von: Orok am 06. Januar 2013, 10:23:14
Um mal von diesen blasphemischen Lügen wieder zum eigentlichen Thema zurückzukommen, ich habe nun endlich eine Spielberichte-Rubrik auf meiner Website/Blog eingeführt. Wenn das auch was für dich wäre, würde ich mich freuen deine Kampagne da ebenfalls zu veröffentlichen. Link ist in der Signatur.
Titel: Re: 1889-Kampagne, Eindrücke
Beitrag von: nikioko am 21. Januar 2013, 13:40:28
Um mal von diesen blasphemischen Lügen wieder zum eigentlichen Thema zurückzukommen, ich habe nun endlich eine Spielberichte-Rubrik auf meiner Website/Blog eingeführt. Wenn das auch was für dich wäre, würde ich mich freuen deine Kampagne da ebenfalls zu veröffentlichen. Link ist in der Signatur.
Nur zu. ;-)

So, wir kommen nun zur Fortsetzung der Kampagne:

4. Abenteuer: Unter Rebellen
An Bord des Zeppelins wird die Beute untersucht. Bogdanowitsch hält die Schätze für sehr wertvoll, allerdings kann er sie für seine Sammlung nicht gebrauchen. Er schätzt, dass er sie auf dem Kunstmarkt für etwa 100.000 Pfund verkaufen kann und sichert jedem der Charaktere und Lisa eine Gewinnbeteiligung von 2% zu, was dann etwa 2.000 Pfund oder 12.500 Rubel sein würden. Wesentlich mehr Interesse scheint er aber an der Schriftrolle und der goldenen Scheibe zu zeigen. Auf Nachfrage erklärt Professor Maillard, dass ihm so etwas noch nicht untergekommen sei, und dass die Scheibe sicherlich eine Insignie des Königs sei, das ihn als Sohn des Sonnengotts ausweist. Als er die Scheibe im Sonnenlicht schwenkt, gerät er ins Stocken, weil er darauf Gravuren in Form konzentrischer Kreise entdeckt. Bei genauer Betrachtung fühlt sich einer der Charaktere an eine Erfindung erinnert, von der er letztens gehört hat: eine Weiterentwicklung von Edisons Phonographen, bei dem die Tonspur nicht schraubenförmig auf die Mantelfläche eines Wachszylinders, sondern spiralförmig auf eine mit Ruß beschichtete Glasplatte aufgebracht wird. Professor Maillard beschließt, diese Entdeckung weiter zu untersuchen und bittet daher um Zeit. Bogdanowitsch beschließt deshalb, nach Coatzacoalcos zu fliegen, um mit den Charakteren eines der ehrgeizigsten und nach der Aufgabe des Kanalprojekts am Isthmus von Panamá gewinnträchtigsten Eisenbahnprojekte der letzten Jahre zu besuchen: die Schiffseisenbahn über den Isthmus von Tehuantepec.
Lisa und Günther landen den Zeppelin außerhalb der Stadt und bleiben mit dem Professor zurück. Bogdanowitsch, Alexei und die Charaktere machen einen Spaziergang in die Stadt, wo sie sehen, dass am Hafen gerade ein großes Schiff ins Trockendock der Bahnlinie fährt. Als Bogdanowitsch sieht, um wessen Schiff es sich handelt und den Reeder auch gleich erspäht, hat er es eilig, zum Zeppelin zurück zu kehren. Doch ehe er kehrtmachen kann, kommt schon ein älterer Herr in einem weißen Sommeranzug und einem Panamahut auf die Gruppe zu und stellt sich als William Thompson vor, ein alter Freund von Herrn Bogdanowitsch. Bogdanowitsch hingegen ist der Ansicht, es handle sich weniger um einen Freund und mehr um eine schlechte Gewohnheit, die man nicht los wird. Gegen Bogdanowitschs Widerstand schafft es Thompson, die Gruppe einzuladen, bei der Überführung des Schiffs seine Gäste zu sein. Während Bogdanowitsch und Alexei sich aufmachen, um Lisa Bescheid zu geben, schon mal nach Salina Cruz zu fliegen, genießen die Charaktere das Wetter in einem Strandcafé bei Tequila, auch wenn der Genuss durch eine ziemlich penetrante Musikantengruppe gestört wird. Bei Bogdanowitschs Rückkehr ist das Schiff bereits fertig verladen und bereit für die etwa 300 km lange Strecke.
Die Reise durch den Dschungel vergeht ereignislos, und gegen Abend kommt man in Salina Cruz an. Bogdanowitsch ist sichtlich erleichtert, sich von Thompson verabswchieden zu dürfen, nachdem er ihn acht Stunden lang ununterbrochen zugetextet hat. Zur großen Überraschung ist aber kein Zeppelin zu sehen. Ohne Spaniscgkenntnisse wird es schwer, Nachforschungen anzustellen, doch der örtliche Polizeikommandant, Javier Sanchez, bestätigt auf Nachfrage, dass es im Dschungel Rebellen gibt, die für einen eigenen Staat kämpfen und die Armee ordentlich beschäftigen. Die Gruppe solle sich keine Hoffnung machen, dass ihre Freunde noch leben. Die Charaktere beschließen, bei der Garnison der Armee um Hilfe zu bitten, während Bogdanowitsch versucht, nach Coatzacoalcos zu kabeln und zu fragen, ob der Zeppelin noch da sei.
Auf dem Weg zur Garnison kommt plötzlich ein blutender Günther in völlig zerfetzter Kleidung aus dem Dschungel gelaufen, der auf die Gruppe zuhält und völlig unzusammenhängendes Zeug brabbelt. Nachdem er mit Tequila beruhigt werden konnte, erzählt er, dass es etwa 10 km vor der Stadt plötzlich einen Knall gegeben hat, und ehe Lisa den Befehl zu Steigen geben konnte, wurde das Schiff schon von Artilleriegranaten getroffen und stürzte ab. Lisa, der Professor und Günther konnten sich aus dem brennenden Schiff retten, doch während Günther sich im Dschungel verstecken konnte, wurden Lisa und der Professor von etwa 10 Bewaffneten in Ponchos gefangen genommen und abgeführt. Anschließend wurden die aus dem Wrack gefallenen Wertgegenstände eingesammelt und ebenfalls weggebracht. Daraufhin sei Günther losgelaufen, bis er den Charakteren in die Arme lief.
Mit Bogdanowitsch wird beschlossen, eine Rettungsexpedition in den Dschungel zu starten. Die nötige Ausrüstung würde von ihm finanziert. Da man aber nicht weiß, in wieweit die Bevölkerung mit den Rebellen sympathisiert, wird kein Führer engagiert und Günther vorausgeschickt. Nach einigen Schwierigkeiten mit der Orientierung und der örtlichen Fauna (Höhepunkt war der Angriff eines Jaguars) erreicht man schließlich die Absturzstelle. Von dort aus lässt sich der Weg der Rebellen bis zu einem viel befahrenen Feldweg verfolgen. Eher durch Zufall wird dann ein Trampelpfad entdeckt, der zum Lager der Rebellen führt. Die Stolperdrahtfalle auf dem Weg wird entdeckt und zu einem Baum verfolgt, auf dem sich an der Seite eine Strickleiter zu einer Beobachtungsplattform befindet, die aber derzeit nicht besetzt ist. Als einer der Charaktere sich oben umsieht, kommt gerade die Wache zurück, die sich anscheinend ihr Mittagessen aus dem Lager geholt hat. Es ist kein Problem, diese auszuschalten. Es ist nun kein Problem, von oben die anderen beiden Wachposten sowie die Wachen im Lager zu beobachten. Außedem ist zu sehen, dass einer der Rebellen ein Tablett mit Essen von der großen Hütte in eine der kleineren bringt.
Währenddessen werden die unten gebliebenen Charaktere von einem halben Dutzend Uniformierter entdeckt und mit erhobenen Händen zur Hauptstraße geführt. Dort werden sie von Major Pedro Alvarez befragt, der schließlich zu dem Schluss kommt, dass sie keine Rebellen sind. Dennoch tut es ihm leid für Lisa und den Professor, weil er den Befehl hat, unverzüglich das Lager anzugreifen, was die zwei womöglich nicht überleben werden. Durch diplomatisches Geschick gelingt es den Charakteren, den Major davon zu überzeugen, den Angriff um eine Stunde zu verschieben, sollte der Befreiungstrupp allerdings auffliegen, müsse er sofort angreifen.
Schnell ist es gelungen, mit einer Drahtschere ein Loch in den Zaun zu schneiden und zur Hütte vorzudringen, welche sich mit einem Dietrich öffnen lässt. Die Befreier entdecken tatsächlich Professor Maillard und Lisa Peters, welche an der Rückwand festgekettet sind. Schnell sind diese von ihren Ketten befreit, doch Lisas Arm ist offensichtlich gebrochen. Beim Verlassen der Hütte werden die Charaktere von einem der Rebellen überrascht, welcher noch einen Alarmschrei abgeben kann, bevor er in die Hütte gezerrt und getötet werdne kann. Gleichzeitig schafft es der Sprengmeister der Gruppe, an der großen Hütte einen Sprengsatz detonieren zu lassen, um im Lager für Verwirrung zu stiften. Da dies aber gleichzeitig für die Armee ein Grund zum sofortigen Angriff ist, müssen Lisa, der Professor und ihre Befreier sich einen Weg durch das Feuer von Rebellen und Armee bahnen. Die Artillerie des Militärs legt das Lager in Schutt und Asche. Die meisten Rebellen sind tot, einige wenige, unter ihnen der Anführer, fliehen in den Dschungel.
Nach dem Angriff werden sämtliche Gegenstände im Lager, inklusive der Goldgegenstände aus der Pyramide, vom Major im Namen des Mexikanischen Kaiserreichs beschlagnahmt. Den Charakteren gelingt es allerdings noch, die Goldscheibe heimlich einzustecken. In den Trümmern der großen Hütte findet man schließlich auch die jetzt etwas angesengte und teilweise eingerissene Schriftrolle mit den drei Gesichtern der Erde, welche anscheinend auf einer Tischplatte festgeheftet war. Der Major misst diesem Papierstück keinen Wert bei und überlässt es großzügigerweise den Charakteren. Aus Mitgefühl für den Verlust des Zeppelins stellt er außerdem ein Gefährt zur Verfügung, das die Gruppe zurück nach Salina Cruz bringt. Bogdanowitsch ist angesichts des Verlustes des Goldschatzes nicht erfreut, doch Lisa ist auf Grund der Zerstörung ihres geliebten Zeppelins völlig aufgelöst und am Boden zerstört. In nächster Zeit wechselt sie mit kaum jemandem ein Wort und gibt sich in einer Kneipe großen Mengen an Tequila hin.
Titel: Re: 1889-Kampagne, Eindrücke
Beitrag von: nikioko am 25. März 2013, 18:29:46
So, es geht endlich mal weiter:
5. Abenteuer: Im Dschungel Zentralafrikas
Dieses Abenteuer deckt sich inhaltlich großenteils mit dem Midgard-Abenteuer von Rainer Nagel. Es gibt einige Anpassungen und Ergänzungen. Angefangen mit der Überleitung:
Nachdem Major Alvarez den Schatz im Namen des Kaiserreichs der Vereinigten Mexikanischen Staaten in Besitz genommen haben, überlegen die Charaktere, wie sie das Gold zurück bekommen können. Sie überreden schließlich bogdanowitsch, mit ihnen zum Fort zu gehen und mit Alvarez direkt zu verhandeln. Nach einigen Sprachverwirrungen werden sie schließlich ins Büro des Majors vorgelassen, der erst einmal großzügig sein Zigarrenkistchen öffnet. Nachdem Bogdanowitsch den Major davon überzeugt hat, dass es doch viel zu aufwendig ist, die ganzen Güter nach Mexiko-Stadt zu bringen und obendrein auch noch viel Papierkram bedeutet, schlägt der Major vor, Bogdanowitsch eine Schürfgenehmigung auszustellen und die Funde als Proben zu deklarieren. Dann hätten sich auch die lästigen Probleme bei der Ausfuhr erledigt. Unglücklicherweise sind die Formulare gerade sehr knapp und die Verwaltungsgebühren sind auch nicht von schlechten Eltern. Gegen eine Gebühr von 10% des Wertes des Goldes (natürlich zahlbar in Pesos) lässt sich dieser Problem allerdings bewältigen. Die Charaktere schiffen schließlich mit Bogdanowitsch, Alexei und Professor Maillard in Veracruz auf der Lagrimá del Corazón nach Lissabon ein.
Unterwegs unterhalten sie sich mit einigen Reisenden wie Colonel Sean McGregor, einem Bürgerkriegsveteranen der Union und Michael Burls, mit denen Bogdanowitsch öfters Whist spielt, aber auch Cristóvão Oliviera, ein portugiesischer Antiquitätenhändler, der kürzlich auf ein interessantes Buch aus dem 17. Jahrhundert stieß, in dem ein Augenzeuge von einem Tempel berichtet, welcher sich mitten im kongolesischen Urwald befinden soll. Es wird ein merkwürdiges Idol beschrieben, das von der Beschreibung her mit den Funden in Mexiko zusammenhängen könnte. Auf Vorschlag von Dr. Gorelkin bittet Bogdanowitsch die Charaktere, sich nach Boma zu begeben und eine Expedition zusammen zu stellen, während er mit Alexei Professor Maillard nach Paris zurück begleitet, damit dieser dort die Funde, vor allem die goldene Scheibe, analysieren kann. Bodganowitsch nennt als Kontakt noch einen alten Freund und Geschäftspartner von ihm, Carl von Badeleben, an den sich die Charaktere bei ihrer Ankunft wenden sollen.
Nach der Ankunft werden sie von von Badelebens Hausdiener zunächst abgewiesen, doch der Name Bogdanowitsch eröffnet ihnen Gastefreundschaft. Die nächsten Tage ist man beschäftigt, eine Expedition zusammenzustellen, was sich etwas schwierig gestaltet, weil die meisten Träger schon von einem Engländer angeheuert wurden, der auch den Dschungel untersuchen will. Mit einer deutlich kleineren Truppe, bestehend aus Trägern, Askaris und einem Führer, der die Sprache der Eingeborenen versteht, geht es schließlich los. Die etwa zwei Wochen lange Reise ist gespickt mit Begegnungen mit Riesenschlangen, Leoparden, Giftspinnen, Dschungelaffen und was die Dschungelfauna noch so hergibt. Schließlich gelangen die Charaktere in ein Dorf, in dem sie von den kleinwüchsigen Eingeborenen willkommen geheißen werden. Auf der Frage nach dem Tempel erzählt der Häuptling nach Rücksprache mit dem Medizinmann, dass, soweit es zu verstehen war, der Tempel nicht weit entfernt ist, zwei Tagesreisen gen Osten. Der Tempel ist schon uralt und wurde von hochgewachsenen Menschen erbaut, welche aber im Krieg schon vor langer Zeit von den Vorfahren der Eingeborenen vertrieben wurden.
AM nächsten Tag macht sich die Gruppe nach einer Abschiedszeremonie auf und kommt zwei Tage später auf eine Lichtung, in deren Mitte sich ein riesiger von Gestrüpp überwucherter Hügel befindet. Nachdem dieser ein paar Stunden mit Macheten bearbeitet wurde, lässt sich ein Loch ins Innere finden. Die Charaktere klettern hinunter und finden auf einem Steinpodest eine goldene Statuette, die Dr. Gorelkin aber umgehend als viel zu primitiv gearbeitet erachtet, im Vergleich zu den Schätzen aus der Pyramide. Natürlich ist die Statuette mit einer Falle gesichert, was die Charaktere sofort ausprobieren. Zum Glück lässt sich der Mechanismus durch das Zurückstellen der Statue umkehren. Schnell ist aber der Mechanismus zu einem Geheimgang im Sockel gefunden, und weiter geht's. In der nächsten Höhle steht auf einem Podest eine hühnenhafte Statue, ähnlich denen, die die Charaktere in der Pyramide gesehen haben: deformierte Köpfe und jeweils nur vier Finger und Zehen an Händen und Füßen. Nach etwas Suche ist an der Statue ein Hebel gefunden, der den gesamten Sockel, auf dem die Statue steht, nach oben fahren lässt und ein Geheimfach freigibt. Darin befindet sich das beschrieben Idol, das bei genauer Untersuchung Scharniere hat, die es erlauben, den gesamten oberen Teil des Kopfes so nach hinten zu kippen, dass eine drehbare Scheibe mit einer Spindel in der Mitte zum Vorschein kommt. Außerdem befindet sich an der Seite eine vierkantige Schraube, welche sich mit dem in der Nische liegenden Vierkantschlüssel wunderbar Drehen lässt. Da fängt der Kopf an, merkwürdig Geräusche von sich zu geben, und es gibt ein merkwürdiges Leuchten in den Augen.
Nach ein paar Minuten lässt sich feststellen, dass die Augen der Statuette und der großen Statue anfangen, rot zu leuchten, was immer stärker wird. Instinktiv rennen die Charaktere los und verdanken es ihrem akrobatischen Geschick, dass sie nicht in die Fallgruben fallen, die sich auftun. Vor den Pfeilen, die jetzt aus den Wänden schießen, können sie sich aber nicht so gut retten. Zurück im Raum des falschen Idols beschließen die Charaktere, dies auch noch mitzunehmen, indem sie ein Seil darum binden und aus dem Nebenraum schnell rüber ziehen.
Als sie wieder nach draußen klettern, erleben sie eine böse Überraschung: die meisten Träger und Askari sind verschwunden und Burls steht dort mit seinen Söldnern, diese haben die Gewehre auf den ersten Charakter angelegt. Burls fordert die Herausgabe des Idols und der Waffen und bedankt sich, dss die Charaktere so freundlich waren, es für ihn zu holen. Die noch unten gebliebenen Charaktere verstecken das echte Idol und drehen Burls das falsche an, der sich triumphierend mit den Waffen und Teilen der Ausrüstung von dannen macht. Was bei der Übergabe festgestellt werden kann ist, dass Burls ein merkwürdiges Amulett um den Hals trägt.
Die Charaktere warten eine ganze Weile, bevor sie das echte Idol bergen, sicher verstauen und sich mit stark reduzierter Mannschaft auf den Rückweg machen. Unterwegs werden große Teile der Ausrüstung und der Waffen wiedergefunden, die Burls achtlos in den Dschungel geworfen hat. Nach einem anstrengenden Rückweg kommen sie zurück nach Boma und kehren bei von Badeleben ein, der berichtet, dass Burls seine Expedition unverrichteter Dinge abgebrochen hat und auf dem Rückweg nach England ist. Die Charaktere zeigen ihren Fund und sagen von Badeleben, dass sie offiziell auch nichts gefunden haben. Mit einem Augenzwinkern bedauert dieser die erfolglose Suche. Nach ein paar Tagen Erholung geht es schließlich zurück Nach Europa, die Charaktere schiffen sich auf einem Dampfer nach La Rochelle ein.
Titel: Re: 1889-Kampagne, Eindrücke
Beitrag von: nikioko am 25. März 2013, 18:40:29
Am Spielabend ging es nahtlos über ins
6. Abenteuer: Schatten am Horizont
Es ist mittlerweile Hochsommer, als die Charaktere französischen Boden betreten. Aber im Vergleich zum dampfenden Dschungel ist das Wetter angenehm. Nach der langen Schiffsreise ist die Zugfahrt von La Rochelle nach Paris nur noch ein Katzensprung. Am Gare Montparnasse angekommen, wird erst einmal ein Hotel gesucht. Nachdem das Idol gut verpackt im Hotelsafe deponiert ist, geht es zum Telegrafenamt, um Bogdanowitsch zu kabeln, dass die Suche erfolgreich war und sich neue Instruktionen zu holen. Anschließend soll Professor Maillard in seiner Wohnung aufgesucht werdne, um sich nach dem Stand der Dinge zu erkundigen. Es wird eine Droschke bestellt, die zur Rue Duphot fährt. Unterwegs sind überall die Reste der großen Parade vom Vortag zu sehen, mit der der 100. Jahrestag des Sturms auf die Bastille und des Siegs des Volkes über die adligen Unterdrücker gefeiert wurden. Aus diesem Grunde sind auch heute viele Geschäfte geschlossen und die meisten Menschen haben sich frei genommen.
Am Haus von Maillard angekommen wird einer der Charakter von einem Mann in einem Mantel angerempelt, der einige unverständliche, aber unfreundlich klingende Worte murmelt. Igor Samsonow macht sich sofort an die Verfolgung. Der Mann steigt in eine Droschke und fährt los, woraufhin Samsonow auf martialische Art und Weise die nächste Droschke anhält und vom Kutscher nur ein "Lassen Sie mich raten: 'Folgen Sie dieser Droschke!'" zu hören kriegt. Die Droschke fährt Richtung Westen und hält kurz vorm Bois de Boulogne an einem Gasthof, der anscheinend mal eine Posthalterei war. Durch das Fenster beobachtet Samsonow, wie der Verfolgte den Wirt grüßt, den Tresen hochklappt und nach hinten verschwindet. Schnell umrundet Samsonow das Gebäude, um den Kerl an der Hintertür abzufangen. Doch dort wartet er eine gute halbe Stunde, ohne, dass etwas passiert. Schließlich öffnet sich die Tür, der Typ, jetzt ganz in weiß gekleidet, kommt heraus, wirft etwas in die Mülltonne und verschwindet wieder drinnen.
Derweil haben sich Dr. Gorelkin und der Rittmeister darann gemacht, das Haus zu betretet. Als sie die Treppe hochkommen, sehen sie schon die Wohnungstür schief in den Angeln hängen. Es ist klar, dass nicht viel Zeit bleibt, bis die Polizei kommt. Am Eingang finden sie schon die Leiche des bedauernswerten Alexei, der seine Pistole noch in der Hand hält, aber durch zwei Schüsse in Brust und Bauch getötet wurde. An der Seite sind drei merkwürdige in einer Reihe liegende Stichwunden zu finden, die aber wohl nicht tödlich waren. Die gesamte Wohnung ist eilig durchwühlt worden: der Inhalt samtlächer Schränke liegt auf dem Boden verteilt. In Ermangelung der Zeit wird primär das Arbeitszimmer durchsucht. Dort stellt Dr. Gorelkin fest, dass ein Stapel Bücher, der vor dem Schreibtisch liegt, offenbar nicht aus dem Regal gerissen wurde, sondern vom Schreibtisch fiel, als jemand im Kampf mit voller Wucht dagegen flog. Schnell sind die Bücher eingesteckt zusammen mit einem Brief, der dazwischen lag. Um unangenehme Fragen zu vermeiden, wollen die Charaktere jetzt schnell gehen. Eher zufällig sieht der Rittmeister im Flur auf dem Boden etwas glitzern. Beim Aufheben erkennt er sofort den Anhänger, den Burls um den Hals getragen hat:
(https://community.uhrwerk-verlag.de/proxy.php?request=http%3A%2F%2Fwww.whale.to%2Fc%2Fhdvvo16whemretic.jpg&hash=75845038fca0e5df133d4925cadc03bc)
Dass er ein Schuft ist, war klar, aber ein Mörder? Bevor er den Gedanken zu Ende führen kann, sind unten an der Haustür Stimmen zu hören. Die Charaktere beschließen deshalb, das Gebäude über die Feuerleiter zu verlassen, was ihnen auch gelingt.
Wieder vereint gehen die Charaktere erst einmal zum Ägyptischen Seminar der Sorbonne, in der Hoffnung, dass Maillard eventuell dort ist. Doch seine Sekretärin teilt den Charakteren mit, dass er die Woche Urlaub genommen hat und wohl zu Hause ist. Auf die Frage, ob er nicht woanders sein könnte, antwortet die Sekretärin, dass er immer entweder in der Universität oder zu Hause ist - es sei denn, er befindet sich auf einer Dienstreise.
Also geht es unverrichteter Dinge zurück, und es werden erst einmal die Bücher gesichtet. Anhand der Knicke und Eselsohren, die beim Fallen entstanden sind, schaffen es die Charaktere, zu rekonstruieren, auf welcher Seite die Bücher gerade aufgeschlagen waren:
• Eines enthält die Übersetzung eines alten marsianischen Textes, in dem ein Priester namens Kan auf dem Sterbebett seinen Kindern sein Vermächtnis anvertraut. Doch einzig aus dem Munde Atums vermag man Worte zu verstehen.
Itinéraire de la Haute-Egypte, comprenant une description des monuments antiques des rives du Nil entre Le Caire et la première cataracte. (http://books.google.de/books?id=58pTAAAAcAAJ) von Auguste Mariette. Aufgeschlagen war das Kapitel über den Karnak-Tempel.
Les Contes populaires de l'Égypte ancienne (http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k36147z) von Gaston Maspero. Aufgeschlagen war das Kapitel über Echnaton und Nofretete.
• ein handgeschriebenes Buch von Wladimir Golenischtschew in russischer Sprache. Es enthält neben einer Katalogisierung zahlreiche Übersetzungsversuche von neuhieratischen Papyrusfragmenten aus der ägyptischen Sammlung der Eremitage. Unter anderem geht es um den Kult des Aton.
• Ein weiteres Buch in englischer Sprache heißt The cults of the ancient Martians and their shrines und ist von einem gewissen Howard Hodgkins. Aufgeschlagen war das Kapitel über die Ruinenstadt, die Pyramiden und das Gesicht in der Cydonia-Wüste. Der Autor weist darauf hin, dass es für ihn schwierig war, Zugang zu den Stätten zu bekommen, da sie als Heiligtümer gelten, zu denen remden kein Zutritt gewährt wird. Außerdem ist die Wüste ein von Hochlandmarsianern dominierter Ort. Viele der Aussagen stützen sich deshalb auf Erzählungen sowie Beobachtungen aus der Luft.
Der Brief ist in lateinischer Schrift, aber einer merkwürdigen Sprache verfasst, in der Gorelkin mit seinen Linguistikkenntnissen romanischen, germanischen und slawischen Einfluss erkennen kann. Aber es ist keine ihm bekannte Sprache, so dass der Brief zunächst unübersetzt bleibt.
Während ihrer Nachforschungen erhalten die Charaktere ein Telegramm aus Sankt Petersburg, dass Herr Bogdanowitsch sich gerade in Paris aufhält und im Hotel Gardier residiert. Die Charaktere machen sich auf zum Hotel, um für Bogdanowitsch eine Nachricht mit ihrer gegenwärtigen Adresse zu hinterlassen. Der Portier steckt die Nachricht ins Postfach 64 und lässt sich für ein paar Francs nicht die Indiskretion entlocken, dass Herr Bogdanowitsch gerade nicht im Hause ist. Die Charaktere gehen nach oben und Samsonow verschafft sich Zugang zu Zimmer 64. Dort findet er ein gut aufgeräumtes Zimmer, ein Koffer ist sauber mit Wäsche befüllt, einige Anzüge hängen im Schrank, und neben dem Bett steht eine Aktentasche mit einem primitiven Zahlenschloss. Sie enthält nichts als einige Geschäftspapiere von Bogdanowitsch. Daraufhin verlassen die Charaktere das Hotel wieder.

Und mit diesem Cliffhanger endete der Spielabend.